Überfahrt von Panama nach Jamaika
Anstatt der ursprünglich geplanten Pazifiküberquerung geht es für wieder zurück über den Atlantik nach Europa. Unsere Route soll über die Bahamas, nach Bermuda und dann weiter auf die Azoren gehen. Im Gegensatz zu unseren sonstigen großen Strecken von den Kapverden bis Panama, müssen wir erstmals in die Richtung, aus denen der Passatwind weht. Die beste Zeit sind die Übergangszeiten zwischen Hurrikansaison und Passatwindsaison. Auf der nördlichen Atlantikseite ist das November (vor der Passatsaison) oder April bis Juni (am Ende der Passatsaison bis in den Anfang der Hurrikansaison). Zu diesen Zeiten sind die konstanten Ostwinde schwächer bzw. setzen teilweise völlig aus. Da ein Segelboot je nach Wind und Boot nur ca. 45-50 Grad am wahren Wind segeln kann (wenn der Wind genau auf den Bug des Bootes bläst, muss 45-50 Grad nach links oder rechts gedreht werden damit die Segel genug angeströmt werden um Vortrieb zu generieren), muss man um in die Windrichtung zu kommen kreuzen, sprich einen Zickzack-Kurs fahren. Wir haben uns in dem Fall den Fakt ein wenig zu nutzen gemacht, dass der Wind zwischen Panama und Kolumbien nördlich dreht und über Kolumbien östlicher. Damit haben wir erst Strecke mit dem Nordwind Richtung Osten gut gemacht um dann vor Kolumbien Richtung Norden abzudrehen und möglichst in die Ostwindzone zu kommen um Richtung Norden Strecke zu machen. Das eine oder andere Zickzack findet sich dennoch in der Strecke, da der Wind am Ende des Tages dann doch nicht so ganz konstant aus einer Richtung weht.
Für unsere erste Etappe haben wir geplant in 8-10 Tagen von Panama direkt auf die Bahamas zu fahren. Wir waren allerdings etwas langsamer als gedacht und haben dadurch das günstige Wetter in der Straße zwischen Kuba und Haiti verpasst. Durch diese Enge wollen wir nicht bei Gegenwind fahren und genau dieser Gegenwind wäre zu dem Zeitpunkt vorhergesagt gewesen. Darum haben wir uns entschieden einen Zwischenstopp in Jamaika zu machen.
Wind und Welle nehmen im Laufe unserer Überfahrt immer weiter ab und so haben wir eine sehr ruhige und gemütliche Überfahrt - ein perfekter Einstieg für uns nachdem die letzte längere Überfahrt (von Curaçao nach Panama) schon fast ein Jahr her ist.
Unsere Überfahrt von Panama nach Jamaika in Zahlen:
Distanz: 714 Seemeilen, davon unter Segel: 477 Seemeilen
Motorstunden: 52 Stunde 36 Minuten
Zeit: 6 Tage 23 Stunden 18 Minuten
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4,3 Knoten
Tierwelt: eine kleine Rauchschwalbe fährt per Anhalter mit
Panama - Jamaika Tag 1
Mo Apr 20 2026 20:07:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Nachdem wir schon zwei Tage hintereinander angekündigt haben, dass wir am darauffolgenden Tag losfahren werden, glauben uns unsere Stegnachbarn schon fast nicht mehr. Doch heute ist es wirklich soweit und so lösen wir um 9:15 Uhr die Leinen. Vor uns liegen rund 870 Seemeilen bis zu den Bahamas. Schon direkt nach dem Breakwater hissen wir die Segel und schlängeln zwischen den ankernden Tankern und Containerschiffen hindurch. Es ist wenig Wind und Welle dafür aber genau von der Richtung in die wir wollen. An sich ein ganz guter Einstieg, auch wenn wir viel kreuzen müssen. Zwischenzeitlich wird der Wind etwas mehr und wir reffen das Groß. Wir kochen zu Mittag Karibisches Reisfleisch – eine Eigenkreation bei der wir das Fleisch von der Grillerei vom Vortag und den halben Kohlhappel mit viel karibischen Gewürz verarbeiten. Kurz danach wird der Wind wieder weniger bevor er dann komplett stirbt. Also heißt es Motor an. Pünktlich zum Sonnenuntergang kommt der Wind aber wieder uns so düsen wir bei gemütlichen 10 Knoten in die Nacht.
Apropos Kohl, wir haben insgesamt 9,5 Kohlhappel an Bord und wurden von mehreren Seglern angesprochen, ob die sich so lange halten und was wir damit kochen. Unser Kohl hat sogar ungekühlt immer ewig gehalten. Wir hoffen, dass wir auch auf den Bahamas noch mit dem Kohl durchkommen, denn Obst und Gemüse ist dort extrem teuer (wie eigentlich alles).
Distanz bis Bahamas: 850 nm
Essen: Karibisches Reisfleisch
Kohlhappel-Zähler: 9/9,5
Panama - Jamaika Tag 2
Di Apr 21 2026 19:13:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Die erste Nacht verläuft relativ ruhig. Mit angenehmen Wind geht es in moderater Geschwindigkeit Richtung NNO. In der Früh ziehen einige Squalls (lokale Regenzellen) durch, eine davon erwischt uns und bringt ordentlich Regen und kurz auch Wind. Danach werden wir dafür mit einem doppelten Regenbogen belohnt. Ines bestattet den ersten fliegenden Fisch, der in der Nacht an Deck gelandet ist.
Im Laufe des Tages nimmt der Wind ab und drückt uns mit der Strömung weiter Richtung Süden als gewollt. Unsere neue Taktik ist den Strömungskreis soweit zu fahren, dass wir die Strömung Richtung Norden auf der anderen Seite wieder mitnehmen können.
Trotz der ruhigen See brauchen wir ein wenig um in den Segelmodus zurückzukommen. Die Bedingungen sind allerdings optimal dafür. Eigentlich fährt das Boot von selbst und wir schlafen hauptsächlich und üben uns im blöd schauen. Peter ist dabei erfolgreicher und sieht zahlreiche Fische springen und fliegen. Ines ist skeptisch ob das wirklich passiert ist, bis sie am späten Nachmittag das Schauspiel auch beobachten kann.
Zum Abendessen machen wir gebratenen Eierreis mit den Resten vom Vortag. Kurz vor Sonnenuntergang kommt wieder mehr Wind auf und wir fahren endlich wieder mit vernünftiger Geschwindigkeit gen Osten.
Distanz bis Bahamas: 760 nm
Etmal: 99 nm
Essen: Salat mit Mango und Erdnüssen, Gebratener Eierreis
Kohlhappelzähler: 9/9,5
Panama - Jamaika Tag 3
Mi Apr 22 2026 17:57:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Kurz bevor Ines schlafen geht, sitzen wir gemütlich im Cockpit und singen. Plötzlich raschelt unser Müllcontainer aka ein leerer Wasserkanister verdächtig. Ich nehme ihn und stopfe in die Schuhkiste. Ein paar Lieder später stinkt es nach Fisch nach etwas tappen im Dunkeln finden wir die Quelle des Übels. Ein Torpedo (fliegender Fisch) hat genau unseren Kanister getroffen und ist in unserem Cockpit verendet. Ansonsten verläuft die Nacht ruhig. So ruhig, dass wir sogar in unseren Schichten gut zum Schlafen kommen. Dabei stellen wir uns immer einen Wecker alle 15 min, um nach Schiffen und Squalls Ausschau zu halten. Wir machen Strecke Richtung Osten gut, um in der Früh endlich in die richtige Richtung (Norden) zu wenden. So ist das eben, wenn man dahin muss woher der Wind kommt - es dauert alles ein wenig länger. Der Schiffsverkehr hat sich deutlich ausgedünnt und mit zunehmender Fahrt Richtung Norden kommen wir endgültig aus der Schifffahrtsroute zwischen Panama und Südamerika. Erst bei Tageslicht sehen wir wie viele fliegende Fische heute Nacht an Deck verendet sind: 6 mittlere bis größere Exemplare finden wir auf der Steuerbordseite. Damit sind wir bei insgesamt 8 toten fliegenden Fischen.
Es geht nicht ganz so gut wie vorhergesagt ans Ziel. Für Freitag bis Montag ist je nach Wettermodell mehr oder weniger Flaute angesagt. Wir überlegen nach Cartagena abzubiegen, entschließen uns dann dagegen. Mal schauen was uns erwartet. Bis jetzt haben wir unseren Dinofresser (Motor) kaum anwerfen müssen und haben Dinosaft (Diesel) für ca 400 nm. Das reicht auch für eine längere Flaute. Bei 12 USD für eine Gallone Diesel (entspricht ca. 3 USD pro Liter) auf den Bahamas wollen wir trotzdem soweit wie möglich umweltfreundlich bleiben. Außerdem mögen wir den Lärm und den Gestank auch nicht.
Am Nachmittag holen wir endlich, 25 Meilen von Panama entfernt, die Gastlandflagge ein. Nach beinahe einem Jahr sind wir da ein wenig aus dem Rhythmus. Sonst verläuft der Tag ruhig, wir sind beide gut erholt und genießen das manchmal mehr, manchmal weniger sanfte Geschaukel.
Distanz bis Bahamas: 699 nm
Etmal: 101 nm
Essen: Quesadillas, Spaghetti mit Pesto Rosso
Kohlhappelzähler: 9/9,5
Fliegende Fische an Deck: 8
Panama - Jamaika Tag 4
Do Apr 23 2026 18:38:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Alles ruhig. Der Wind und die Welle lassen in der späten Nacht nach und ganz gemütlich geht es Richtung Norden. Der Beifang ist heute sehr gering, wir haben nur einen fliegenden Fisch zu vermelden. Kurz erwischen uns untertags ein paar Regentropfen ansonsten ist es traumhaft. Am frühen Nachmittag merken wir kurz wie klein das Meer dann doch ist, als uns plötzlich ein Containerschiff, die MSC Eugenia, auf eine halbe Meile passiert und das auch nur, weil es den Kurs anpasst. Unser Pensum an blöd schauen ist zunehmend erschöpft, deshalb gehen wir jetzt mehr oder weniger geistreichen Tätigkeiten nach wie häkeln und lesen. Wir genießen den ruhigen Segeltag, denn ab morgen Nachmittag sind wir laut Wettervorhersage auf den Dinofresser angewiesen.
Wir reden und schreiben oft vom blöd schauen, wenn wir Segeltage beschreiben, hier ein Versuch, ein wenig zu beschreiben was dabei eigentlich passiert:
Das hektische Leben wird komplett entschleunigt. Es dauert eine Weile bis man aus dem schnellen Alltagsrythmus mit seinen zahlreichen To-dos und Reizen in den viel langsameren und wenig selbst beeinflussbaren Segelrythmus kommt. Es passiert mit der “Brille” des Landalltags nicht viel. Kurz ziehen Wellen, Wolken und in der Nacht Sterne vorbei. Die To-dos beschränken sich im wesentlichen auf Segelboot voranbringen, was meistens weniger als eine Stunde vom Tag in Anspruch nimmt, und sich grundversorgen. Der Rest der Zeit ist frei verfügbar und die Möglichkeiten sich digital abzulenken halten wir absichtlich gering. Damit reduzieren sich die Reize drastisch, es wird zuerst einmal langweilig. Da Langweilen eben relativ schnell langweilig ist, sucht man sich irgendeine Beschäftigung. Im Vergleich zum Landleben ist die Auswahl ungewohnt und erscheint erst einmal limitiert. Ein paar Klassiker wie lesen, singen, kochen, spielen, miteinander reden und musizieren bleiben. Fairerweise ist der Kreativität am Ende auch hier keine Grenze gesetzt. Eine besondere Art seine freien Kapazitäten zu nutzen und sich zu beschäftigen ist das blöd schauen. Für mich passiert dabei folgendes: Einerseits habe ich Zeit Dinge zu überdenken und einzuordnen für die im Rhythmus des Landlebens keine Zeit bleibt. Gerade nach einer intensiven Zeit kann sich hier ein ordentlicher Rückstau bilden. Andererseits schärft sich die Wahrnehmung, sprich ich nehme Details wahr, für die sonst keine Ressourcen da sind oder die Geschwindigkeit zu hoch ist. Die Sinne sind unterfordert. Man gibt ihnen also neue Aufgaben: die Umgebung hören, riechen und spüren. Die Form der Wolken zu beobachten, den Geruch des Meeres riechen oder nach einer langen Überfahrt Vegetation und Erde riechen und dem Rauschen der Wellen zu lauschen. Dazwischen wieder eine neue Welle von Gedanken ordnen… So vergeht die Zeit und von außen betrachtet erscheint es dabei als hätte man bloß kurz blöd geschaut.
Distanz bis Bahamas: 608 nm
Etmal: 108 nm
Essen: Asiatischer Papaya-Paradeissalat mit Kohl, Karibisches Huhn mit Papaya-Paradeissoße (ratet mal was reif ist)
Kohlhappelzähler: 8,5/9,5
Fliegende Fische an Deck: 9
Panama - Jamaika Tag 5
Fr Apr 24 2026 20:16:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Manchmal stellt sich beim Langfahrtsegeln, zumindest als direkter Beteiligter, die Frage warum tut man sich das an? Die Strecke, welche wir bis Ende Juni bewältigen wollen bzw. des Wetters wegen müssen, von Panama bis auf die Azoren wird ca. 30-35 reine Segeltage beanspruchen. Durch die zahlreichen Flüge von Panama nach Europa kennen wir die Strecke in der Zwischenzeit zumindest von 10000 Höhenmetern gut. In 2-3 Stunden ist man irgendwo über der Dominikanischen Republik (ähnlich weit wie die Bahamas von Panama), Bermuda wird direkt abgekürzt und die Azoren meist auch und so ist man in 10-12 Stunden direkt am europäischen Festland.
Was macht das Ganze also reizvoll? Abgesehen vom vergleichsweise unlimitierten Freigepäck, jedenfalls Segeltage wie diese:
Die magischen Segelbedingungen setzen sich durch die Nacht fort. Im Vergleich zu den Vortagen schaukelt das Boot sanft durch die Wellen. Da wir hart am Wind fahren, sprich so weit dem Wind und damit meistens auch der Welle entgegen, wie möglich, passiert es normalerweise gelegentlich, dass der Bug des Bootes in ein Wellental kracht, verbunden mit viel Lärm. Im Gegensatz zu den Vortagen krachen wir kein einziges Mal. Stattdessen schaukelt es regelmäßig, ganz sanft auf und ab. Ich stelle mir vor, dass es sich für ein Baby so anfühlt in den Schlaf geschaukelt zu werden. Für einen von uns heißt das gemütlich in der Koje eingekuschelt unter den gelben Zwiebeln zu schlafen. Dem Anderen bietet sich der ungewöhnlich wolkenlose Nachthimmel. Da wir hier in der Passatwindzone sind, ziehen normalerweise die Passatwindwolken, ein Raster aus kleinen gleichmäßIgen Wölkchen durch. Sprich der Horizont ist sowieso so gut wie immer bedeckt und am Himmel über dem Boot ziehen die Schäfchenwolken durch. Nicht so diese Nacht, außer ganz vereinzelten Wolken ist es sternenklar, der zweite wesentliche Störfaktor, der Mond ist auch abwesend. Es bietet sich ein Ausblick wie in einem Planetarium. Die Milchstraße ist klar erkenntlich und ebenso das Sternbild des Skorpion, des Orion und des großen Wagens. Das Kreuz des Südens (das Pendant der Südhalbkugel zu Polaris, dem aktuellen Nordstern) lässt sich manchmal noch erblicken, mit zunehmender Strecke Richtung Norden steht es immer tiefer bis es in den nächsten Tagen vollkommen hinter dem Horizont verborgen bleibt. Es ist so dunkel, dass man die Sterne durch den weißen Stoff unserer am Heck wehenden Österreich Flagge durchschimmern sieht.
Der Tag verläuft genauso ruhig wie die Nacht. Die Wellen spritzen nicht mehr an Deck und es ist richtig gemütliches Segeln. Einziges Manko: Der Wind wird immer weniger. Gegen 14 Uhr erreichen wir die Strömung, die uns mit 1,5-2 Knoten in Richtung Jamaika schiebt. Auch bei nur 6 Knoten Wind, fahren wir mit 3 Knoten durchs Wasser und dank Strömung mit 4,5 Knoten über Grund. Pünktlich zum Sonnenuntergang ist es dann aber wirklich komplett vorbei mit dem Wind und die Wellen lassen die Segel schlagen, da kein Wind mehr da ist der sie stabilisiert. Wir bergen sie und schaukeln unter Motor in die Nacht.
Für die Wissbegierigen: Der Nordstern ist der Stern, welcher gerade mehr oder weniger in der nördlichen Flucht der Achse, um die sich die Erde dreht. Er ist damit konstant im Norden am Nachthimmel sichtbar. Warum mehr oder weniger? Die Achse bewegt sich im Verlauf von 26000 Jahren um 46 Grad. Der Nordstern war also im laufe der Menschheitsgeschichte schon mehrmals ein anderer Stern. Bei den alten Ägyptern z.B. Thuban oder bei den alten Griechen Kochab im großen Wagen. Aktuell ist es Polaris.
Mit dem Nordstern lasst sich nicht nur die Richtung bestimmen sondern auch die Nord/Süd Position auf der Nordhalbkugel - umso höher der Polarstern steht, desto weiter nördlich befindet man sich. Je näher am Äquator man ist, desto tiefer steht der Nordstern bis er ab einem gewissen Breitengrad auf der Südhalbkugel nicht mehr sichtbar ist.
Distanz bis Bahamas: 516 nm
Etmal: 102 nm
Essen: Arepas (dicke Maistortillas) mit weißem Käse, Paradeisern und Avocado, Karibischer Reis mit Kochbananen und Spiegelei
Kohlhappelzähler: 8,5/9,5
Fliegende Fische an Deck: 10
Panama - Jamaika Tag 6
Sa Apr 25 2026 18:54:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Die Flaute hat uns bis in die Nacht fest im Griff und unser Dinofresser konsumiert T-Rex, Flugsaurier, Stegosaurus und allerlei anderes lang verstorbenes und in Form von Diesel raffiniertes Urgetier. Um 1 Uhr in der Nacht kommt eine leichte Brise auf. Nach einer Stunde Motorsegeln mit dem Vorsegel beschließen wir es zum Schichtwechsel nur mit dem Vorsegel zu versuchen. Das Dilemma mit dem wenigen Wind und der Welle ist nämlich, dass es am Ozean selten ruhig wie auf einem See ist. Die Welle ist immer etwas träger als der Wind bzw. kommt am Ozean fast immer von irgendwo ein bisschen Welle, weil immer irgendwo Wind geht. Jedenfalls hat das den lästigen Nebeneffekt, dass sich das Boot durch die Welle mehr bewegt als der Wind in den Segeln Gegendruck ausübt. Das führt zum sogenannten Schlagen der Segel. Das kann man sich vorstellen, als würde man einen sehr großen Teppich, in unserem Fall 25 m2 pro Segel, ausschütteln. Das Großsegel ist noch dazu mit relativ viel hohlem Aluminium (Mast und Baum verbunden) verbunden, insgesamt ein äußerst lästiges Geräusch. Das Experiment erweist sich durch die Nacht hinweg als erfolgreich. Zum Glück haben wir es gestern mit dem letzten Wind noch in die “Strömungsautobahn” geschafft, damit machen wir trotz nur 1,5-2 Knoten Fahrt durchs Wasser noch immer solide 3-3,5 Knoten Fahrt über Grund.
In der Früh kommt wieder etwas mehr Wind auf und wir setzen auch noch das Groß. Damit sind wir wieder etwas schneller - immerhin machen wir jetzt mit der Strömung 4,5 Knoten. Zum Frühstück, oder eigentlich ist es eher schon ein Brunch, macht Ines Bananen-Schoko Pancakes, die wir zur Abwechslung mal an Deck mit Aussicht auf den Infinitypool verspeisen. Somit haben wir die überreifen Kochbananen gut verarbeitet.
Heute besuchen uns einige Vögel und Fische. Zuerst versucht ein kleiner gelber Vogel mehrmals am Boot zu landen, aber traut sich dann doch nicht. Kurz darauf umkreist uns ein Tropikvogelmit seinem hübschen weißen langen Schwanz. Außerdem beobachten wir einen Tölpel bei der Jagd auf fliegende Fische.
Am Nachmittag wird der Wind wieder weniger und wir checken den neuesten Wetterbericht, um zu entscheiden was wir machen. Für morgen ist gar kein Wind angesagt und wenn wir ab jetzt durch motoren könnten wir es gerade so durch die Enge zwischen Kuba und Haiti schaffen bevor dort etwas stärkerer Gegenwind angesagt ist. Wir genießen das ruhige segeln gerade sehr und wollen uns nicht stressen, nur um dann vielleicht erst recht in den Gegenwind zu kommen. Bei einer Landenge weiß man nie genau wie groß der Düseneffekt ist. Davon spricht man, wenn der Wind zwischen eine Meerenge gedrückt wird und sich die Luft dazwischen “durchquetschen” muss und deswegen beschleunigt wird. Wir entscheiden uns lieber einen Stopp im Nordosten Jamaikas, genauer in Port Antonio, einzulegen und auf ein günstigeres Wetterfenster zu warten. Damit verkürzt sich unsere Zeit bis zum nächsten Landgang und wir peilen an am Montag in Jamaika anzukommen. Wegen dem Rumvorrat warats!
Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir unter Segel gar nicht mehr voran und wir starten den Motor. Vielleicht kommt ja wie in der vergangenen Nacht, auch heute wieder Wind.
Distanz bis Bahamas: 414 nm
Distanz bis Jamaika: 203 nm
Etmal: 100 nm
Essen: Bananen-Schoko Pancakes, Asiatische Eiernudeln mit Kohl und Melanzani
Kohlhappelzähler: 8/9,5
Fliegende Fische an Deck: 10
Panama - Jamaika Tag 7
So Apr 26 2026 19:39:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Die Nacht ist ruhig und wir sind durchgehend auf die Kraft durch Dinosaft angewiesen. Mehr als hier und da das Vorsegel für 0,5 Knoten Beschleunigung herausholen ist windtechnisch nicht möglich. Obwohl wir weiterhin im Strömungskorridor bleiben lässt die Strömung immer mehr nach und statt angesagten 1,5-2 Knoten, schiebt sie uns nur noch mit 0,3-0,5 Knoten. Wir versuchen sie “wiederzufinden“, aber geben dann auf und passen den Kurs direkt in Richtung Ostkap Jamaikas an. Der Morgen verläuft weiterhin ruhig und die Wettervorhersage sagt wir müssen bis zur Ankunft morgen Früh in Port Antonio motoren.
Peter entdeckt als erster Land in seiner Frühschicht. Es ist der Blue Mountain im Osten des Landes. Kaffee Connoisseurs kennen ihn eventuell als Quelle des gleichnamigen und exquisiten Jamaica Blue Mountain Coffee. Als Einstimmung für unseren voraussichtlich 4 bis 5-tägigen Stop auf dieser für uns sehr spannenden Karibikinsel haben wir uns gestern mit dem Legend von Bob Marley musikalisch eingestimmt. Jamaika ist eine der wenigen Karibikinseln zu der wir relativ schnell einige Bezugspunkte herstellen. Leider ist die ohnehin schon armutsgeplagte Insel letztes Jahr von einem desaströsen Hurrikan heimgesucht worden. Wir begeben uns, zumindest soweit es der kurze Aufenthalt zulässt, auf die Spuren von Bob Marley, des Blue Mountain Coffees, des Appelton Estate Rums, des Jerk Chickens und mit sehr viel Glück können wir ein Red Stripe Bier mit der Bobmannschaft trinken.
Am Nachmittag ist es dann soweit und wie hissen voller Vorfreude die Gastlandflagge Jamaikas als auch die gelbe Quarantäneflagge, die anzeigt, dass wir noch nicht offiziell einklariert sind. Kurz danach bemerken wir, dass wir einen kleinen Anhalter mit an Bord haben - eine kleine Rauchschwalbe. Wir nähern uns ganz vorsichtig, aber merken schnell, dass das kleine Kerlchen alles andere als geschreckt ist, denn kurz darauf fliegt er ins Boot und bleibt auf Ines Dutt sitzen, als sie gerade die Mango aufschneidet. Wir nennen ihn Rufus, wegen seiner rotbraunen Brustfärbung ganz nach dem Roufus-tailed Hummingbird (Braunschwanzamazilie), den wir in Boquete in Panama gesehen haben. Er hält uns ganz schön auf Trab, denn immer wieder fliegt er ins Boot und wir tragen ihn immer wieder vorsichtig mit Peters Kappel hinaus. Auch nach Sonnenuntergang ist er immer noch da. Wir haben ihm auf der Cockpitbank mit einem Poloshirt und Peters Kapperl ein kleines Nest gebaut. Da liegt er gerade und schläft - mal schauen wie lange er dort bleibt. Das wird voraussichtlich eine Nacht geprägt von Vogelsitting….und um die Ostspitze Jamaikas zu navigieren.
Distanz bis Jamaika: 88 nm
Etmal: 105 nm
Essen: Schinken-Käse-Toast Deluxe, Karibisches Henderl mit Papayasoße (auch die restliche Papaya und das Henderl mag gegessen werden)
Kohlhappelzähler: 8/9,5
Fliegende Fische an Deck: 10
Panama - Jamaika Tag 8
Mo Apr 27 2026 09:53:00 GMT-0500 (Panama Zeit)
Wir sind gut auf Jamaika angekommen! Genauers Update folgt.