Von den Azoren ans portugiesische Festland

Hier ist unser Livetracker für die letzte große Überfahrt unserer Reise und den letzten Teil der Atlantiküberquerung. Wir starten von der Azoreninsel Sao Miguel und Ziel ist die Algarve in Südportugal. Die Strecke sind rund 800 Seemeilen und da recht wenig Wind angesagt ist, rechnen wir mit mindestens 8 Tagen für die Überfahrt. Abgesehen von gutem Segelwetter hoffen wir auch, dass wir den Orcas an der Küste Portugals nicht begegnen, da die Gruppe der iberischen Orcas gerne mit Rudern von Segelbooten “spielen” und diese beschädigen. Alle anderen Meeressäuger sind immer gerne gesehen!

Hier könnt ihr unseren Fortschritt live mitverfolgen. Wir werden zwei Mal täglich die Position updaten und einmal pro Tag gibt es einen kurzen Blogbeitrag über das Bordleben. Wir freuen uns auch diesmal wieder, wenn ihr live “mitsegelt”!

Azoren - Algarve, Portugal Tag 1

Di Sep 01 2026 20:27:00 GMT+0000 (Azores Summer Time)

Nach ungefähr 2 Monaten auf den Azoren brechen wir zu unserer letzten großen Überquerung auf. Unsere Zeit auf den Azoren war intensiv, wir hatten viel Besuch von Freunden und Familie, haben versucht mit allen viel zu unternehmen und viel zu sehen. Sechs der insgesamt neun Inseln haben wir geschafft. Dazwischen haben wir eine Woche Heimatbesuch eingelegt, um Dinge für unsere nächste Lebensetappe zu organisieren. Wir sind zufrieden, haben das Gefühl viel gesehen zu haben und eine schöne Zeit gehabt. Die letzten Tage konnten wir noch zu zweit ein wenig runterkommen. Trotzdem sind die Gefühle gemischt. Wir schwanken zwischen Wehmut, dass unsere Reise zu Ende geht und Blick auf eine neue Lebensetappe, die immer präsenter wird.

Der Segeltag beginnt mit leichtem Wind und Sonnenschein. Zwischenzeitlich müssen wir 2-3 Stunden Motoren um aus der Landabdeckung herauszukommen. Danach geht es entspannt unter Vollzeug in den Abend. Es ist ein wenig zugezogen, die Sonne kämpft sich aber immer wieder durch die Wolken und es sieht aus als könnten wir zumindest einen Sonnenuntergang hinter Milchglas beobachten. Der Wind soll gegen Mitternacht sterben und in den nächsten 48 Stunden nur sehr partiell wiederkommen. Danach sollte uns ein vorbeiziehendes Tief mit Südwind bis zum portugiesischen Passat (Nordwind vor der portugiesischen Westküste) bringen, mit dem wir den Rest der Strecke bis zum Kap vor der Algarve zurücklegen können. Da der recht intensiv mit leichter Ost Komponente blasen kann, versuchen wir möglichst nördlich in diese Zone zu segeln. So die Theorie des Wetterroutings. In 8 Tagen sind wir dann angeblich in Lagos an der Algarve.

Distanz bis Lagos: 840 Seemeilen
Essen: Salat mit Kapern und Walnüssen, Käseravioli, Steaksandwich

Azoren - Algarve, Portugal Tag 2

Mi Sep 02 2026 19:49:00 GMT+0000 (Azores Summer Time)

Die erste Nacht verläuft sehr ruhig. Das Meer ist extrem ruhig und doch haben wir genug Wind um die ganze Nacht durchzusegeln. Zeitweise zeigt sich ein wunderschöner Sternenhimmel, bevor er wieder hinter einer Wolkendecke verschwindet. Es sind überraschend viele Schiffe unterwegs. Alleine in der Nacht sehen wir fünf und müssen einem sogar ausweichen, das direkt auf uns zukommt. Alleine sind wir auf alle Fälle nicht.

Wie so oft am Anfang einer Überfahrt schlafen wir abwechselnd sehr viel. Es braucht einfach immer etwas um in den neuen Rhythmus zu kommen. Wir lesen, häkeln, hören Musik und schauen blöd - klassische Unterhaltung bei einer Überfahrt. Aber es fühlt sich doch etwas anders an. Uns ist jetzt schon etwas langweilig. Liegt es daran, dass die letzten Wochen so viel Programm war, um mit unseren Besuchen so viel wie möglich von den Inseln zu sehen? Oder liegt es daran, dass sich die Motivation für diese letzte Überfahrt in Grenzen hält, da es seit Ende April einfach schon die fünfte Längere ist? Oder aber ist es, weil die Reise für uns in Portugal zu Ende geht und uns am Ziel Bootsarbeiten erwarten? Wahrscheinlich ist es eine Kombination. Noch habe ich aber die Hoffnung, dass mit dem Überfahrtsalltag auch die Freude kommt und wir diese letzte Etappe noch genießen können.

Am Nachmittag verirrt sich leider ein Tintenfisch zu uns an Bord, doch als wir es merken ist leider schon zu spät. Trotz allem befördern wir ihn wieder zurück ins Meer. Bis auf ein paar Vögel haben wir leider keinen tierischen Besuch.

Etmal: 108 Seemeilen (114 Seemeilen in 26 Stunden)
Distanz bis Lagos: 720 Seemeilen
Essen: Brot mit Wurst, Käse und Aufstrich, Ramen, Pilzravioli, Tortilla Española

Azoren - Algarve, Portugal Tag 3

Do Sep 03 2026 19:26:00 GMT+0000 (Azores Summer Time)

Die Nacht verläuft ein wenig sportlicher, wobei man betonen muss, dass wir noch bei keiner Ozean Passage so lange unter Vollzeug (sprich mit maximaler Segelfläche) gesegelt sind, um das ganze in Perspektive zu setzen. Ines sieht und erfreut sich am kräftigen Leuchten des Planktons. Am Himmel leuchtet außer dem Mond wenig, denn ansonsten ist die Nacht großteils bewölkt. Zum Schichtwechsel schlägt ein Torpedo (fliegender Fisch) ein. Dabei wollte Peter gerade schlafen gehen. Mit der Teetasse befördert er das wild zappelnde Exemplar über Board. Am nächsten Tag rekonstruieren die Boarddetektive die Attacke. Schuppenreste am Steuerrad verraten uns den Einschlagsort. Auch am Cockpitboden finden sich zahlreiche Spuren des nächtlichen Überfalls. War es doch ein geplanter Piratenangriff?

Zum Sonnenaufgang dreht der Wind noch weiter auf Ost und wir fahren schon nach SSO. Zeit für ein Manöver - das einzige seit São Miguel nicht mehr zu sehen ist. Nach einer Wende fahren wir wieder nach NO.

Der Wetterbericht am Morgen prophezeit uns wiedermal keinen Wind für die folgenden Tage. Bis jetzt segeln wir noch immer mit Vollzeug schön dahin, heute bei blauem Himmel und Sonnenschein mit sehr wenig Welle. Unter anderen Umständen würden einige behaupten ein Biersegler. Der Motor ist bisher insgesamt weniger als 2 Stunden gelaufen. Jedenfalls trauen wir dem Wetterbericht nicht mehr und hoffen einfach, dass das so weitergeht.

Wir erholen uns von irgendwelchen Strapazen, nein eigentlich schlafen wir einfach und wissen nicht genau warum wir müde sind, häkeln und lesen. Peter hat das Floß der Medusa von Franzobel heute ausgelesen, eine passende Schauergeschichte für so eine Ozeanüberquerung.

Am Nachmittag sieht Ines eine schwimmende Fahne ganz in der Nähe. Um uns zu vergewissern, dass es nur eine Fischerboje ist und kein Rettungsring daran befestigt ist, segeln wir näher hin - zum Leidwesen Peters, der aus dem Nachmittagsschlaf gerissen wird. Ansonsten bestätigt sich zum Glück ersteres. Trotzdem etwas skurril mitten am Ozean eine Fischerboje zu entdecken.

Etmal: 112 Seemeilen
Distanz bis Lagos: 602 Seemeilen
Essen: Avocadotoast mit Eierspeis, Gazpacho, Brot mit Aufstrich

Azoren - Algarve, Portugal Tag 4

Fr Sep 04 2026 19:45:00 GMT+0000 (Azores Summer Time)

Diesmal verlässt uns der Wind nach einem herrlichen Segeltag wirklich. Mitten in der ersten Schicht gegen 22:00 Uhr müssen wir auf die Kraft der Dinos (Diesel) setzen um Meilen zu machen. Die Nacht verläuft dementsprechend ruhig, die Sterne zeigen sich in voller Pracht und Peter zählt ganze 6 Sternschnuppen in seiner Schicht.

Kaum hat Peter die Augen nach seinem morgendlichen dösen im Cockpit aufgemacht entdeckt er Delfine. Ein paar große Exemplare machen hier offensichtlich Bugwellenreiten für Senioren - bei der Bootsgeschwindigkeit kommen auch die Ältesten noch mit. Das tierische Highlight sind aber nicht die Delfine sondern zwei Schildkröten, die neben uns vorbeitreiben - damit haben wir auf hoher See definitiv nicht gerechnet.

Am frühen Nachmittag kommen wir zwei Mal in kleine Regenzellen, aus denen es aber nur etwas nieselt. Schnell trocknet die Sonne das Cockpit wieder. Wir nutzen die Vorteile des laufenden Motors, denn die Abwärme wärmt unseren Warmwasserspeicher und gönnen uns eine warme Dusche im Cockpit.

Bis auf ein vorbeifahrendes Containerschiff am Abend verläuft heute alles sehr ruhig. Wir hoffen, dass bald wieder Wind kommt und wir endlich wieder ruhig segeln können - langsam nervt das Brummen des Motors… Oh, pünktlich zum Sonnenuntergang können wir den Lärm stoppen und genießen im Cockpit unsere Pho Nudeln mit perfekten Ausblick auf die untergehende Sonne. Mal schauen ob es eine ruhige Nacht ohne Motorgeräuschen wird.

Etmal: 108 Seemeilen
Distanz bis Lagos: 495 Seemeilen
Essen: Quesadillas, Pitas mit Hummus,  Melanzani und Zucchini, Pho Nudeln und Schokomousse

Azoren - Algarve, Portugal Tag 5

Sa Sep 05 2026 19:35:00 GMT+0000 (Azores Summer Time)

Am späteren Abend müssen wir nochmal für eine Stunde Motoren. Dafür belohnt uns ein herrlicher Sternenhimmel vor dem Mondaufgang, glasklar und wolkenlos. Wir sehen die Milchstraße in voller Pracht und sogar gemeinsam eine Sternschnuppe. Kurz vor Mitternacht ist der Wind zurück und bleibt angeblich bis wir am Ziel sind. Die Nacht verläuft ansonsten relativ ereignislos. Ines schreibt an unserem ersten Beitrag der Azoren, über Flores. Streckenmäßig haben wir irgendwann in der Nacht die Hälfte hinter uns gebracht.

Der Morgen startet bewölkt, es lockert dann aber recht bald auf und der Rest des Tages ist bis auf ein paar verirrte Schäfchenwolken sehr sonnig. Der Wind ist in Stärke und Richtung etwas unbeständig und bläst mit 6-17 Knoten - immerhin können wir ziemlich gemütlich Segeln. Wir kommen ein wenig im Passagemodus an und philosophieren über Gott und die Welt. Ines häkelt an ihrem Leiberl und Peter hat sich diesmal eine freundliche Lektüre über die Auswanderer von den Azoren gesucht, nicht so schwer, immerhin essen sich da die Leute nicht gegenseitig.

Am Abend köpfen wir noch die Ananas von den Azoren. In São Miguel werden nämlich tatsächlich welche angebaut (mehr dazu bald in einem der Blogbeiträge von den Azoren). Sie sind kleiner und sehr süß. Wir haben genau den richtigen Reifegrad erwischt und sind uns einig, dass es eine der besten Ananas ist, die wir je gegessen haben. Eine Hälfte haben wir noch für morgen aufgehoben.

Etmal: 120 Seemeilen
Distanz bis Lagos: 373 Seemeilen
Essen: Quesadillas, letzte Pita mit Hummus,  Tofu Wokpfanne mit Reis, São Miguel Ananas

Azoren - Algarve, Portugal Tag 6

So Sep 06 2026 19:30:00 GMT+0100 (Western European Summer Time)

Nachdem die Sonne komplett untergegangen ist, kommen nach und nach die Sterne am wolkenlosen Himmel zum Vorschein. Kurz drehen all unsere Lichter an Bord ab und genießen den einzigartigen Blick auf die funkelnden Sterne. Die Milchstraße strahlt direkt über uns in ihrer ganzen Pracht und wir schätzen uns sehr glücklich solch einen Anblick bewundern zu dürfen.

Um 23 Uhr stellen wir die Uhren auf portugiesische Zeit um und so kann Peter schon eine Stunde früher seinen Geburtstag feiern - alles Gute zum Geburtstag Pezi!

Untertags nehmen Wind und Welle wie angesagt immer weiter zu und so reffen wir zum ersten Mal auf dieser Überfahrt - so lange am Stück mit Vollzeug sind wir auf der ganzen Reise noch nicht gefahren.

Zur Feier des Tages gibt es eine Queijada, eine für die Azoren typische Süßspeise, als Geburtstagstörtchen und wir sehen wieder eine Schildkröte hinter unserem Boot auftauchen.

Am späten Nachmittag nehmen Wind und Welle noch weiter zu. Wir haben teilweise über 20 Knoten Wind und etwas mehr als 1,5 Meter Welle. Um es etwas gemütlicher zu haben, reffen wir vor dem Abendessen noch einmal.

Dem Anlass entsprechend gibt es das österreichische “Ansa”-Menü: Inzersdorfer Würstelgulasch und Reisfleisch aus der Dose. Immerhin hat sich das Geburtstagskind das gewünscht - auch wenn er sich bei ruhigeren Bedingungen höchstwahrscheinlich was anderes gewünscht hätte. Als Nachspeise gibt es noch die restliche Ananas und Schokomousse.

Gut gerefft und mit ordentlich Speed düsen wir in die Nacht - der Endspurt wird mit noch etwas mehr Wind und Welle und der Schiffahrtsstraße nochmal anstrengend. Aber wir sind guter Dinge!

Etmal: 142 Seemeilen
Distanz bis Lagos: 243 Seemeilen
Essen: Schinken-Käse-Toast, Inzersdorfer Würstelgulasch und Reisfleisch, São Miguel Ananas und Schokomousse

Azoren - Algarve, Portugal Tag 7

Mo Sep 07 2026 19:11:00 GMT+0100 (Western European Summer Time)

Der letzte Tag hat es nochmal in sich. Der Wind bläst mit 18-27 Knoten und die Welle nimmt immer weiter zu. Sie ist über 2 Meter hoch und relativ kurz. Wir merken wie verwöhnt wir bisher waren. Wir haben zwar gewusst, dass es am Ende nochmal anstrengend wird, aber gehofft, dass es nicht ganz so ungemütlich ist. Dann erwischt uns eine Welle von schräg hinten. Sie bricht genau am Heck und überspült das halbe Cockpit inklusive Peter (Ines steht im Niedergang und rettet sich nach unten). Durch die Abflüsse im Cockpit leert sich dieses schnell wieder. Wir hören ein leises Zischen und wissen ziemlich schnell, was los ist: das Wasser hat unseren graue Box an der Reling, in der sich unser aufblasbarer Rettungsring mit dazugehöriger Fahne befindet geflutet und dadurch die Gaskartusche ausgelöst. So bläst es sich in der Box auf. Wir gehen in Deckung, da wir nicht sicher sind, ob das Plastik das aushält oder wir gleich was auf den Kopf bekommen. Aber es ist von guter Qualität und bläht sich nur auf und reißt eine der Fixierschrauben aus der Verankerung. Nichts passiert, aber auf den Infinitypool können wir verzichten.

Unser Autopilot, mit dem wir bis jetzt immer sehr zufrieden waren, hat Probleme die seitlich kommenden Wellen auszusteuern und so verdrehen sie uns immer wieder etwas. Nichts gefährliches, aber äußerst unangenehmens. Peter steuert kurz mit der Hand und merkt, dass das Boot sehr gut balanciert ist und kann die Wellen gut aussteuern. Es fühlt sich viel angenehmer an und wir surfen keine Wellen mehr hinunter. Allerdings haben wir seit den Azoren ein Problem mit dem Steuerrad. Wir glauben, dass der Mechanismus hakt, denn das sonst so leichtgängige Steuerrad hakt hie und da und es ist ein vermehrter Kraftaufwand nötig, um es weiterdrehen zu können. Der Autopilot setzt direkt am Ruderquadranten an und umgeht somit die Steuerung. Darum wollen wir das per Hand Steuern nicht überstrapazieren.

Wir kommen der Schifffahrtsstraße immer näher und damit steigt auch unsere Nervosität. Schon bevor wir in dichter befahrene Gebiet geht, müssen wir zwei Schiffe anfunken und bitten den Kurs etwas zu ändern, damit wir mit genügend Abstand aneinander vorbeikommen. Als Segelboot unter Segel haben wir nämlich Vorrang, weil wir am offenen Meer das manövrierunfähigere Schiff sind. Es wird langsam dunkel, wir hoffen, dass der Autopilot uns gut steuert und kommen auch langsam ins Orca Gebiet. Am Vortag in der Früh hat es genau auf unserer Route zum Kap etwa 20 Seemeilen vor der Küste einen Orcaangriff auf ein Segelboot. Die Iberischen Orcas sind dafür bekannt, dass sie vor der Küste Spanien und Portugals das Ruder von Segelbooten angreifen indem sie dagegen schwimmen oder abbeißen. Dagegen tun kann man wenig. Die besten Tipps sind nur tagsüber im Orcagebiet zu fahren und innerhalb der 20 Meter Tiefenlinie im seichten Gewässer zu bleiben - beides gerade schwierig für uns. Wir bleiben beide munter, um diese letzten Teil gut hinter uns zu bringen. Fun Fact: das ist das erste Mal auf unserer Reise, dass wir gemeinsam eine Nachtschicht machen.

Durch die Schifffahrtsstraße kommen wir gut durch - wir müssen kein weiteres Mal funken. Die Welle hat in der Zwischenzeit auch etwas abgenommen und es ist nicht mehr ganz so unangenehm. In der Zwischenzeit ist es nach 23 Uhr und obwohl wir jetzt erst ins Orca-Gebiet kommen, fällt die erste Anspannung ab. Wir merken, dass wir außer einer Packung Ramen zu Mittag noch nichts gegessen haben und bekommen Hunger. Der muss aber noch bis zur Ankerbucht in Sagres warten gestillt zu werden. Wir sehen schon gut den Leuchtturm vom Kap.

Etmal: 136 Seemeilen
Distanz bis Lagos: 98 Seemeilen
Essen: Woknudeln aus dem Packerl

Azoren - Algarve, Portugal Tag 8

Di Sep 08 2026 03:17:00 GMT+0100 (Western European Summer Time)

Nachdem wir die Schifffahrtsstraße hinter uns gelassen haben und Wind und Welle weniger geworden sind, fällt die erste Anspannung ab. Wir merken wie sehr wir Hunger haben, nachdem wir kaum etwas gegessen haben und auch wie müde wir sind. Aber ein bisschen heißt es noch durchhalten. Wir befinden uns jetzt tief im Orca-Gebiet, aber diese “unsichtbare Gefahr” ist gerade wenig greifbar und darum sind wir auch nicht mehr so nervös.

Wir sehen schon den Leuchtturm am Cabo São Vicente und je näher wir der Küste kommen auch das rote Leuchtfeuer von Sagres am zweiten Kap. Ein anderes Segelboot kommt die Küste von Norden herunter und kreuzt uns mit wenig Abstand direkt vor dem Kap. Wir sind ziemlich überrascht, dass außer uns noch wer um 2 Uhr in der Früh unterwegs ist!

Nach dem Kap fängt es plötzlich wieder an zu blasen und das obwohl wir eigentlich in der Windabdeckung sein sollten, schließlich weht der Wind aus Norden. Wir bergen das Vorsegel, aber nicht ganz ohne Probleme, denn die Furlingleine hat sich verhakt und lässt sich nur schwer ziehen. Nur mit dem Groß im 2. Reff segeln wir eng am Kap von Sagres, um danach in die Bucht zu biegen. Dort bläst es noch mehr mit Böen bis zu 30 Knoten. Wir starten den Motor und lassen das Groß herunter. Dabei reißt (wieder mal) das Lazyjack, das Leinensystem, das dafür sorgt, dass das Segel schön im Segelsack am Baum liegen bleibt. So landet das halbe Segel an Deck, während der Wind unerbittlicher bläst und es gut schlackern lässt. Notdürftig fixieren wir es mit der 3. Reffleine am Baum.

Peter geht zum Bug um den Anker, den wir bei längeren Überfahrten im Ankerkasten verstauen, wieder zu fixieren. Fix und fertig lassen wir um 2:40 Uhr den Anker in der großen Bucht bei 9 Meter Tiefe fallen. Er hält am sandigen Untergrund sofort und wir stecken genug Kette, um uns keine Sorgen machen zu müssen bei dem starken Wind. Nachdem wir das Segel im Segelsack verstaut haben, stoßen wir mit einem Glas Rum auf die Überfahrt und bedanken uns bei Neptun, dass er die Orcas von uns ferngehalten hat. Danach gibt’s endlich was zu Essen - für jeden 3 Schinken-Käse-Toasts, bevor wir hundemüde ins Bett fallen.

Wir wachen erst gegen Mittag wieder auf und bestaunen die Bucht, in der wir schon mal mit einem Charterboot waren. Es ist ein ziemlicher Kontrast zu der saftig grünen Landschaft auf den Azoren. Hier ist die Steilküste rot-braun und bis auf ein paar wenige flache Sträucher wächst nichts. Es ist eine andere Art von Schönheit.

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