Atlantiküberquerung West-Ost Live Tracker
Hier ist unser Livetracker für unsere kommenden Atlantiküberfahrt - diesmal von West nach Ost. Nachdem wir von Panama über Jamaika und die Bahamas nach Bermuda gesegelt sind, haben wir uns dort mal 2 Wochen erholt. Nachdem das Wetter top aussieht und uns die Bierpreise von mindestens 11 Dollar drohen in den finanziellen Ruin zu treiben, heißt es Anker hoch und wir haben super Bock auf Superbock (Bier in Portugal). Wir segeln von Bermuda rund 1800 Seemeilen nach Flores auf die westlichste Azoreninsel. Für diese Strecke werden wir etwa 14-18 Tage brauchen. Dieses Mal sind wir nur zu zweit auf der Überfahrt über den großen Teich. Die aktuelle Vorhersage sieht gut aus, mal sehen was uns erwartet.
Hier könnt ihr unseren Fortschritt live mitverfolgen. Wir werden zwei Mal täglich die Position updaten und einmal pro Tag gibt es einen kurzen Blogbeitrag über das Bordleben. Wir freuen uns, wenn ihr live “mitsegelt”!
Bermuda - Azoren Tag 1
Fr Juni 12 2026 20:36:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Nachdem wir gestern beim Riggcheck mal wieder eine Baustelle entdeckt haben, aber diese zum Glück beheben konnten, hatten wir heute noch mehr als erwartet zu tun. Alles wegräumen, Unterwasserschiff putzen, kochen, einkaufen, ausklarieren und Dinghy putzen und verstauen. Statt um 12 Uhr kommen wir erst um 17 Uhr los, egal wir sind mindestens 14 Tage unterwegs da spielen ein paar Stunden keine Rolle.
Das Wetter könnte für den Einstieg besser nicht sein, mit 10-15 Knoten fahren wir Halbwind Richtung NNO mit Vollzug bei herrlichstem Wetter mit 5,5-6 Knoten. Bermuda hat uns unerwartet gut gefallen und es war uns nicht ganz unrecht, dass das Wetterfenster ein wenig auf sich warten hat lassen. Doch jetzt ist es Zeit weiterzufahren und uns erwartet für 2 Wochen nur blau.
Distanz bis Flores: 1771 Seemeilen (Routing), 1680 (direkt)
Essen: Gazpacho, kaltes Backhenderl, Sandwiches
Portugiesische Galeere: 1
Bermuda - Azoren Tag 2
Sa Juni 13 2026 19:50:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Die Nacht startet mit wenig Wind, fast schon etwas zu wenig. Gleichzeitig nimmt die Welle zu. An das Schaukekn müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Das merken wir ganz besonders, wenn wir etwas länger unter Deck sind. Nach Mitternacht nimmt der Wind etwas zu und wir düsen mit fast schon 6 Knoten bei Vorwindkurs durchs Wasser.
Die Lichter von Bermuda begleiten uns noch lange. Bis zu 40 Seemeilen Entfernung ist der helle Streifen am Horizont noch zu sehen. Dann verblasst auch er. Realisiert haben wir noch nicht, dass jetzt der Atlantik vor uns liegt und wir für ca. 2 Wochen nur Wasser sehen werden.
Beim Frühstück hören wir wieder des gewohnt hohe und kurze „Piep, piep, piep.“ Wie schon am Weg nach Bermuda besuchen uns wieder Tropikvögel. Diesmal sind es drei ausgewachsene Exemplare, die uns immer wieder umkreisen und für über einer Stunde begleiten. Wir sind schon gespannt wie oft wir sie noch sehen werden, denn für uns geht es ja jetzt in immer kühlere Gebiete. Derweil fragen wir uns im Pullover, langer Hose und zwei Decken ob wir wohl verwöhnt sind oder ob es Schneevögel sind.
Wind und Welle nehmen im Laufe des Nachmittags immer weiter zu. Es fängt auch an zu regnen und wir verkleinern unsere Segelfläche: das Groß und die Fock fahren wir jetzt im 2. Reff. Wir lümmeln uns unter Deck ein, während es draußen regnet und windet. Nach dem Abendessen überlegen wir noch weiter zu reffen, doch als der High Wind Alarm, den wir auf 35 Knoten gestellt haben, anfängt zu piepsen, ist sofort klar was zu tun ist. Wir verkleinern das Groß nochmal und haben jetzt das 3. und gleichzeitig auch letzte Reff eingebunden. Das Vorsegel rollen wir komplett weg. So kommt wieder Ruhe ins Boot und wir laufen 160 Grad vor dem Wind ab. Wir befinden uns zwischen 2 Gewittern und hoffen, dass uns die Blitze verschonen. So schnell ist es vorbei mit dem ruhigen Segeln und der Atlantik zeigt wieder mal was er drauf hat!
Etmal: 107 Seemeilen (in 19 Stunden)
Distanz bis Flores: 1668 Seemeilen (Routing), 1604 (direkt)
Essen: Schinken-Käse-Toast Deluxe, Banana Pancakes mit Nutella, Ramem
Portugiesische Galeeren: 5
Bermuda - Azoren Tag 3
So Juni 14 2026 18:20:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Die Nacht war alles andere als ruhig, denn wir haben offensichtlich ungewollt eine Lichtershow gebucht und noch dazu die mit Überlänge. Ab 20 Uhr abends fängt es leicht an zu regnen und wir sehen Blitze am Horizont. Segeltechnisch sind wir gut gerefft und wir sehen auch nicht mehr als 35 Knoten. Doch die Blitze lassen uns nur sehr unruhig schlafen, vor allem als wir den Donner dann auch immer lauter hören. Wenn es nicht gerade blitzt ist es stockfinster, es bringt also gar nichts rauszuschauen. Wir bauen unter Deck unsere neue „Kommandozentrale“ auf: ein iPad mit den Navionics Karten inklusive AIS (zeigt andere Schiffe in der Nähe an) und am anderen lassen wir uns Windwinkel, Windgeschwindigkeit, Bootsgeschwindigkeit und Kurs anzeigen. Damit sind wir bestens gerüstet. Erst um 4 Uhr in der Früh sind wir endlich aus dem Gewitter draußen. Das wichtigste Crewmitglied in der Nacht war eindeutig unser Autopilot, der uns auch bei dem Wetter zuverlässig gesteuert hat und es uns erspart hat im Nassen zu sitzen.
Zum Frühstück begleiten uns wieder kurz zumindest ein Tropikvogel. Das graue Wetter scheint ihn noch nicht abzuschrecken, auch wenn es für uns alles andere als tropisch ist.
Zu Mittag kommt tatsächlich wieder die Sonne raus und wir nutzen die Gelegenheit unsere nassen Jacken und Rettungswesten zu trocknen. Wind und Welle haben sich wieder beruhigt und wir fahren gemütlich in Richtung Ostnordost.
Der Wind wird etwas weniger und soll morgen untertags ein wenig abflauen bevor es dann wieder flott weitergeht. Wir sind nun fest in portugiesischem Gebiet. Überall patrouillieren die Galeeren, zum Glück durften wir bis jetzt ungehindert passieren. 15 Stück waren es heute.
Portugiesische Galeeren sind Quallen die ein Segel haben und ziemlich lange Tentakel (bis 40 m) und angeblich sehr unangenehm bei Berührung sind, allerdings nur äußerst selten tödlich.
Etmal: 133 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 240
Distanz bis Flores: 1547 Seemeilen (Routing), 1506 (direkt)
Essen: Schinken-Käse-Toast Deluxe (schon wieder, wir müssen den Toast aufbrauchen), Banana Pancakes mit Nutella (die restlichen 3 Stück), Erdäpfelgröstl
Portugiesische Galeeren: 20
Bermuda - Azoren Tag 4
Mo Juni 15 2026 19:19:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Was 24 Stunden für einen Unterschied machen können. Wir haben wenig Wind und Welle und nach einem wunderschönen Sonnenuntergang eine sternenklare Nacht. Pünktlich zum Neumond haben wir heute das Planetarium gebucht.
Am Himmel sehen wir das erste Mal seit langem wieder alte Bekannte, die in den südlicheren Breiten unter dem Horizont verschwunden waren wie Kassiopeia und das Sommerdreieck (bestehend aus Wega im Sternbild der Leier, Deneb im Schwan und Altair im Adler). Außerdem, stehen sowohl der große und der kleine Wagen wieder höher am Himmelszelt. Der große Bär zeigt sich in seiner ganzen Pracht und auch der Drache und Skorpion sind besonders gut zu erkennen. Aja und dann sind da noch die Sternschnuppen. Peter sieht in seiner Schicht die größte, die er je gesehen hat und erwartet schon kurz den Weltuntergang. Die Sternschnuppe hat fast einen fingerbreiten Streifen gezogen!
Wir fahren zwar nicht ganz in die richtige Richtung, aber dafür sind wir auch nicht so schnell. Da so wenig Wind ist, müssen wir weiter anluven, denn der Halbwindkurs ist schneller als der Vorwindkurs. Dadurch fahren wir aber nach Nordnordost anstatt den direkten Kurs auf die Azoren (ONO), was aber noch nicht weiter schlimm ist, da die Azoren sowohl noch nördlicher als auch östlicher von uns liegen.
Gegen Vormittag frischt der Wind auf und wir finden den Golfstrom. Zunächst drückt er uns noch gut nach Süden, soll uns dann gegen Abend aber kräftig in die richtige Richtung schieben. So zumindest die theoretische Vorhersage. Wir spüren aber nichts von mehr Wind und die Segel fangen immer wieder an zu schlagen. Irgendwann geben wir auf uns nach Norden zu kämpfen, denn der Golfstrom drückt uns weit nach Osten und wir sind sehr langsam. Wir machen wieder eine Halse und nehmen in Kauf durch den Golfstrom weiter südlich zu fahren als wir eigentlich wollen. Theoretisch sollte dieser demnächst nach Norden drehen, dann sollte es uns wieder in die richtige Richtung schieben. Schau ma mal…
Etmal: 101 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 341
Distanz bis Flores: 1441 Seemeilen (Routing), 1414 (direkt)
Essen: Sandwich mit Karotten-Kren-Aufstrich und Babyspinat mit Spiegelei, Gnocchi mit Spinat, Paradeisern und Feta, Asiatischen Kohl-Karotten-Gurkensalat mit Sesam
Portugiesische Galeeren: 50
Bermuda - Azoren Tag 5
Di Juni 16 2026 20:12:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Zur ersten Nachtschicht halsen wir und fahren mit dem Golfstrom 3 Stunden mit 7 Knoten Richtung Norden um für die nächsten Strömungen besser positioniert zu sein und um den gratis Ritt in nördliche Richtung auszunutzen. Immerhin fehlen uns noch ca. 2 Grad Latitude (Breitengrad), also 120 nm auf die Höhe von Flores.
Einschub zur Latitude und Longitude:
Die Breitengrade (Latitude) verlaufen parallel zum Äquator nach Nord und Süd bis zu den Polen. Auf der vertikalen Achse der Merkatorprojektion entspricht 1 Grad = 60 nm. Ein Grad hat 60 min. Dementsprechend ist eine Minute vertikale Änderung 1 nm.
Auf der horizontalen Ost-West Achse funktioniert diese Rechnung nicht, da die Längengrade (Longitude) von Pol zu Pol verlaufen und dadurch wegen der Kugelform der Erde nicht parallel sind. Somit hat einen Längengrad zum nächsten beim Äquator den größten Abstand und bei den Polen den kürzesten (bzw. stoßen da alle aufeinander).
Zum Schichtwechsel um Mitternacht hat der Wind auch auf 15 Knoten aufgefrischt und die Segel schlagen erstmals nicht, wir beschließen daher im 1. Reff weiterzusegeln. Der Wind hat jedoch andere Pläne und nach 2 Stunden weckt Ines mich frühzeitig um das 2. Reff ins Groß zu setzen. Es bläst mit 20 Knoten und die Welle hat sich auch ein wenig aufgebaut. Schlaftrunken blicke ich sie aus meiner gemütlichen, kuscheligen Schlafecke an und brauche erst mal 5 min um aus meiner Traumwelt zurückzukehren. Die Verlockung raus zum Masten zu gehen, wo es windet, kalt und sehr wahrscheinlich nass ist, ist ungefähr so hoch wie bei den meisten Menschen um 3 Uhr morgens bei -10 Grad Schneeschaufeln zu gehen. Ich besiege den inneren Schweinehund, ziehe Ölzeug und Schwimmweste bei gutem Gewackel an und begebe mich nach draußen. Das Reffen verläuft wie geschmiert, haben wir ja jetzt schon ein paar Mal gemacht. Danach lässt mich Ines nochmal 1,5 Stunden zurück in meine Kuschelhöhle kriechen.
Zu meinem Schichtbebinn vor Sonnenaufgang ist es bewölkt, finster und kalt. Es schaukelt heute wieder mehr. Wie die letzten Tage platziere ich einen Comfortseat am Cockpitboden, dort kann man nicht herumrutschen, decke mich mit einer Kuscheldecke zu und verwende die zweite als Polster. Ich stelle mir einen Wecker für 30 min und mach die Augen zu. Keine Minute später spritzt es mir von der Seite ins Gesicht. Ich vertrolle mich nach drinnen. Die Sonne lässt sich auch nach ihrem „Aufgang“ in der Früh nicht blicken. Nachdem das mit dem Schlafen heut nichts war, mach ich mir um 6 Uhr meinen morgendliche Kaffee, damit das blöd schauen ein bisschen wacher stattfinden kann.
Am Vormittag in Ines Schicht blitzt dann doch noch kurz die Sonne durch, doch den restlichen Tag ist es grau und bewölkt. Wir sollen am Abend noch die Ausläufer einer Front abbekommen, die nördlich von uns vorübergezogen ist. Das heißt der Wind soll zunehmen, die Welle auch und es kann auch noch regnen, hoffentlich nicht gewittern.
Wir verbringen den größten Teil des Tages unter Deck mit schlafen, lesen, häkeln oder einfach den Koordinaten am Funkgerät beim verändern zusehen (ja Prinzi, rawdoggen vom Feinsten). Vaquita fährt verlässlich in Richtung Osten, nur hie und da dreht eine Kreuzwelle das Heck oder den Bug aus und die Backbordwand taucht dann tief ins Wasser ein bevor uns der Autopilot wieder auf Kurs bringt. Das ist zwar anstrengend und macht Dinge wie kochen und bewegen am Boot unangenehm, aber ist sonst nicht weiter gefährlich. Am Abend sind wir gut gerefft (beide Segel im 3. Reff), machen schnell Meilen gut und sind bereit für die Ausläufer der Front, die in der Nacht durchziehen soll.
Etmal: 133 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 474
Distanz bis Flores: 1340 Seemeilen (Routing), 1297 (direkt)
Essen: Quesadillas, Mediterraner Nudelsalat mit Pesto, frischen Tomaten und Kapern, Curry mit Tofu und Zucchini
Portugiesische Galeeren: 58
Bermuda - Azoren Tag 6
Mi Juni 17 2026 19:07:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Heute Nacht ist genau das Gegenteil zu gestern. Peter weckt mich gegen Ende seiner Schicht um kurz vor Mitternacht, da weniger Wind ist als angesagt, um das Segel zu entreffen. Diesmal stehe ich etwas schlaftrunken im Cockpit, aber bei der kalten Luft bin ich schnell munter. Im Zuge dessen halsen wir auch gleich, da der Wind etwas gedreht hat und wir den Kurs nach Nordost halten wollen.
Heute ist eine spannende Schicht für mich, denn um 1 Uhr ist der Anpfiff zum WM Spiel Österreich gegen Jordanien. Anschauen kann ich mir das Spiel zwar nicht, aber zumindest über den Live Ticker verfolgen. So sitze ich da, unter Deck vor unserer Kommandozentrale, mitten im Nordatlantik, das Buch von Kirsten Neuschäfer, die die Retrosegelregatta Golden Globe Race 2022 gewonnen hat, in der einen Hand und mein Handy mit dem Live Ticker vom Österreich Match in der anderen. Schon sehr skurril!
Das Golden Globe Race ist genau das Gegenteil davon. Das ursprüngliche Rennen fand 1968 statt und war die erste Einhandregatta nonstop um die Welt (Solosegler werden skurillerweise Einhandsegler genannt, auch wenn sie zwei Hände haben). Es ging von England aus in den Südatlantik, westwärts einmal ums Kap der Guten Hoffnung von Afrika, Kap Leeuwin von Australien und Kap Horn von Südamerika und wieder zurück nach England. Damals gab es natürlich noch keine technischen Hilfsmittel wie GPS, Wetterberichte über GRIB Files, elektronische Kartenplotter und geschweige denn Internet auf See. Damals gab es 9 Teilnehmer, nur zwei es mehr oder weniger beendeten: Sir Robin KnoxJohnston und Bernard Moitessier. Ersterer offiziell und galt damit als Sieger. Zweiterer war mit der kommerziellen Phylosophie hinter der Regatta nicht einverstanden und hat es sich, obwohl er in Führung war, anders überlegt und ist nach einer Runde noch eine weitere halbe nach Tahiti gesegelt ohne das Rennen zu beenden. Damit gingen die 5000 Pfund Preisgeld an Sir Robin Knox-Johnston. Er ist damit der Erste, der die Welt solo und nonstop umrundet hat.
Dementsprechend sind die Regeln bei der Neuauflage des Golden Globe Race folgende: klassische Bootstypen, kein GPS sondern Astronavigation, Solosegeln einmal nonstop um die Welt. 2022 gingen 16 Teilnehmer (davon nur eine Frau) an den Start und nur 3 konnten das Rennen Nonstop ohne Hilfe abschließen: Kirsten Neuschäfer aus Südafrika gewann vor Abilash Tomy aus Indien und dem Österreicher Michael Guggenberger, der nur sehr wenig Segeleefahrung hatte. Das Rennen dauerte mehr als 10 Monate. Das ist eine komplett andere Liga.
Zurück zum Fußball…Ich bin ehrlich gesagt froh das Spiel nur im Liveticker zu lesen anstatt anzusehen, denn es ist mehr als nervenaufreibend und so flüchte ich mich dazwischen immer wieder ins Buch und Kirstens Beschreibungen über den wilden Südpazifik während wir gemütlich, aber schnell im Nordatlantik segeln. Nach über 100 nervenaufreibenden Minuten gewinnt Österreich dann doch noch 3:1. So kann ich mich beruhigt in die Koje legen und die beste Schicht (die Schlafschicht) antreten.
Ich (Peter) probiere zu Beginn meiner Schicht heut erst gar nicht nach draußen zu gehen. Ich schau raus, check die Lage und stell mir einen Wecker für 30 min. So döse ich vor mich hin bis ich um 5:30 Uhr einen herrlichen Sonnenaufgang erblicke und mir dazu einen Kaffee mache. Anfangs ist es noch relativ frisch, aber im Laufe des Tages kommt die Sonne noch durch und ist richtig intensiv. Der Wind nimmt zunehmend ab und es hilft nur mehr den Gennaker, unser größtes Segel für Leichtwind, rauszuholen. Während wir noch so herumtrimmen, entdecke ich plötzlich 4 schlafende Wale friedlich Flosse an Flosse neben dem Boot vorbeiziehen. Es wirkt als würden sie Händchen halten, damit sie sich im Schlaf nicht verlieren. Definitiv das Highlight des Tages.
Der Wind ist jetzt grenzwertig wenig und im Laufe des morgigen Tages sieht es danach aus als müssten wir erstmals auf unseren Dinofresser (Motor) zurückgreifen. Freitags sollen wir dann allerdings wieder guten Wind haben. Wir haben heute 1/3 der Strecke hinter uns gebracht.
Etmal: 148 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 622
Distanz bis Flores: 1186 Seemeilen (Routing), 1146 (direkt)
Essen: Omelette mit Feta und Spinat, restlicher Nudelsalat, Eisbergsalat, Jause mit Pumpernickel, Gouda, Frischkäse und Schinkenaufstrich
Portugiesische Galeeren: 72
Walsichtung: 1
Bermuda - Azoren Tag 7
Do Juni 18 2026 19:56:00 GMT-0200 (South Georgia Time)
Wir segeln gestern den Gennaker fast bis zur letzten Brise. Um 23:30 Uhr bei flotten 6,5 Knoten Fahrt und 8 Knoten Wind, dreht der Wind dann zu weit nach Süd, um unseren Kurs noch halten zu können. Wir bergen ihn mit Hilfe unseres Decklichts und können noch kurz mit der Fock weitersegeln. Um 1:30 Uhr ist dann Schluss. Ines probiert noch herum. Es ist finster, kalt und nass. Sie schafft es das Boot halbwegs in die richtige Richtung mit gemächlichen 3 Knoten zu bringen. Sie muss sich gegen Ende ihrer Schicht dem Wind, der für uns zu schwach und aus der falschen Richtung kommt, geschlagen geben. Ich berge das Vorsegel und stell den Autopiloten auf Halbwindkurs und leg mich mit 30 min Weckern hin. Wir driften auf und ab, erst in der Früh nach Sonnenaufgang können wir wieder in die richtige Richtung segeln. Das ist so gemütlich, dass wir uns den Tisch drinnen aufbauen und mit unserer Induktionsplatte Frühstück kochen. Bei Toast, Tee, Kaffee und weichem Ei frühstücken wir am Tisch wie in einer ruhigen Marina, während wir mit 4-5 Knoten dahinrauschen.
Am frühen Nachmittag stirbt der Wind dann komplett und wir müssen erstmals den Dinofresser aktivieren. Der Tag wird kein Rekord Etmal bringen. Wir genießen die Ruhe, stellen die Uhren eine Stunde vor, das dauert eine Zeitlang bis wir einen Ort finden, wo es unsere Zeitzone gibt. Der, den wir finden, ist denkbar weit weg: Südgeorgien, nicht das Land sondern die Insel vor der Antarktis. Wir waschen uns selbst mal wieder und unsere Schuhe, da unser Schuhkasten komplett nass geworden ist und die Schuhe dementsprechend feucht sind und stinken. Die Temperatur ist ein wenig zu frisch um es Spa Day zu nennen, für unsere verwöhnten, braun gebrannten Tropenkörper ist es mehr wie Eisbaden. Es ist Jammern auf hohem Niveau, denn wir haben wenigstens heißes Wasser vom motoren. Während wir genüsslich unseren Bauerntoast essen, entdecken wir einen Wal. Er ist etwas weiter weg, aber wir sehen den Blas und den Rücken, wenn er auftaucht. An die täglichen Walsichtungen können wir uns gewöhnen. Mal schauen was die Nacht bringt laut Wettervorhersage müssen wir bis morgen Mittag motoren.
Etmal: 96 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 718
Distanz bis Flores: 1105 Seemeilen (Routing), 1062 (direkt)
Essen: Toast mit weichem Ei, Curry mit Sojageschnetzelten, Pumpernickel-Bauerntoast mit Speck und Pfefferoni
Portugiesische Galeeren: 83
Walsichtungen: 2
Bermuda - Azoren Tag 8
Fr Juni 19 2026 19:53:00 GMT-0200 (South Georgia Time)
Wir können noch bis fast Mitternacht segeln, es ist einer der Tage an denen die Welle und der Kurs auch für den leichten Wind passen und ich (Peter) erst, bei 1,5 Knoten Fahrt den Dinofresser aktiviere. Die Nacht verläuft dementsprechend ruhig bis auf das monotone Brummen des Motors. Um 7 Uhr, nach der Hälfte meiner Morgenschicht, pünktlich mit dem ersten Lüftchen deaktiviere ich den Motor wieder, denn mit der leichten Brise von hinten kann weht es mir die verkohlten Dinos direkt ins Cockpit und die riechen nicht so gut. In Summe haben wir damit 12 Motorstunden gesammelt. Der Wind nimmt wie angesagt langsam zu. Erst gegen Mittag segeln wir wieder richtig flott mit 6 Knoten unserem Ziel entgegen.
Es sind richtig viele Vögel, die zeitweise ums Boot fliegen und so wissen wir, dass wir im Golfstrom sind, denn wo das kalte Wasser des Nordatlantiks auf den warmen Golfstrom treffen, gibt es viele Fische. Es ist ein richtiges Buffet für die Seevögel. Apropos Vögel, auf ein Tropikvogel kommt uns heute wieder besuchen, wenn auch nur kurz und ohne das charakteristische „Piep Piep“.
Am Vormittag sehe ich (Ines) weit hinter unserem Boot etwas weißes im Wasser und denke sofort an den Blas von einem Wal. Ich schaue genauer hin und sehe einen Wal aus dem Wasser springen. Habe ich mich also doch nicht geirrt! Noch ein paar Mal springt er hoch und lässt sich mit dem Körper aufs Wasser platschen. Sofort fliegen die Vögel dorthin, wo der Wal im Wasser gelandet ist. Offensichtlich sind alle am Fische jagen. Das ist damit der dritte Tag in Folge mit Walsichtungen.
Der Wind soll in der Nacht nur leicht zunehmen und so sind wir zuversichtlich heute ziemlich gemütlich, aber trotzdem gut voranzukommen.
Etmal: 102 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 820
Distanz bis Flores: 1005 Seemeilen (Routing), 959 (direkt)
Essen: Quesadillas, Asiatische Tofu-Kohl Pfanne mit Woknudeln, Jause mit Pumpernickel, Cabanossi und Käse
Portugiesische Galeeren: 114
Walsichtungen: 3
Bermuda - Azoren Tag 9
Sa Juni 20 2026 19:46:00 GMT-0200 (South Georgia Time)
Die Nacht geht es flott dahin, es regnet noch am späten Abend und das Cockpit bleibt die ganze Nacht nass. Unsere Schichten verbringen wir daher drinnen. In der Früh zeigt das Tracking 5,8 Knoten Durchschnitt an für die Nachtschicht und das bei sehr komfortablen Bedingungen.
In der Nacht erreichen wir auch den Halbzeitpunkt unserer Strecke - wir haben also schon die halbe Strecke zu den Azoren hinter uns! Darum feiern wir am Vormittag auch das Bergfest. Wir bedanken uns bei Neptun für die bisherige gute Überfahrt und teilen uns einen kleinen Schluck Rum. Neptun stellen wir einen größeren in Aussicht, wenn das Wetter auch für die 2. Hälfte passt.
Wir warten gespannt ob wir den Golfstrom wie vorhergesagt vorfinden, laut Routing erreichen wir den Hauptstrom gegen Mittag, der uns mit Spitzen bis zu 2,7 Knoten anschieben soll. Das Wetter ist diesig und dann auch nebelig. Erst gegen Mittag setzt sich die Sonne durch. Die Geschwindigkeit nimmt tatsächlich stetig zu und pünktlich vor dem Übergang zum nächsten 24 Stunden Abschnitt sehen wir am Plotter nur mehr über 7 Knoten über Grund, meist 8 oder sogar 9. Wir fahren 120 Grad vor dem Wind bei 13-18 Knoten Wind und der Golfstrom schiebt uns tatsächlich mit über 2 Knoten. Wir genießen den rasenden Ritt bei wenig Welle und Sonnenschein und können den Meilen beim gefressen werden zusehen. Einfach perfekte Bedingungen!
Vor Sonnenuntergang kommen uns noch Delfine besuchen. Es sind die ersten auf dieser Überfahrt und umso mehr freuen wir uns. Auch ihnen scheint die hohe Geschwindigkeit, mit der Vaquita durchs Wasser pflügt, zu gefallen, denn sie spielen sich immer wieder in der Bugwelle, nur um dann schnell wieder abzudrehen und dann wieder zurückzuschwimmen. Wieder einmal ein wunderschöner Moment, den diese Art des Reisens mit sich bringt.
Laut Vorhersage soll der Wind heute Nacht noch leicht zunehmen und die Strömung noch bis morgen Nachmittag anhalten. Momentan sind wir am besten Weg einen neuen Rekord für das 24 Stunden Etmal aufzustellen - es gilt 178 Seemeilen zu schlagen.
Etmal: 149 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 969
Distanz bis Flores: 858 Seemeilen (Routing), 813 (direkt)
Essen: Quesadillas, restliches Curry mit Sojageschnetzelten
Portugiesische Galeeren: 124
Walsichtungen: 3
Delfinbesuch: 1
Bermuda - Azoren Tag 10
So Juni 21 2026 20:56:00 GMT-0200 (South Georgia Time)
So herrlich und schnell der gestrige Segeltag war, so langsam und nervenaufreibend war der heutige. Aber der Reihe nach. In der Nacht bekommen wir noch wie erwartet die Ausläufer der tropischen Depression ab, die nördlich von uns durchgezogen ist. Es ist alles halb so schlimm und wir sehen Böen mit maximal 30 Knoten. Das Problem zeigt sich erst in der Früh, denn der Wind wird weniger und das viel zu schnell. Vorhergesagt war, dass der Wind erst am Abend unter 12 Knoten haben soll, aber wir sehen das schon um 10 Uhr in der Früh. Das Problem dabei ist, dass die Welle noch da ist und durch das viele Schaukeln den wenigen Druck aus den Segeln nimmt. Die Segel schlagen und wir kommen nicht mehr richtig voran. Wir probieren noch mit dem Gennaker, unserem Leichtwindsegel, voranzukommen. Kaum haben wir ihn gehisst, haben wir weniger als 10 Knoten. Wir kommen mehr schlecht als recht weiter, doch noch wollen wir nicht motoren und segeln ganz langsam für ein paar Stunden. Leider schaffen wir es dadurch nicht unser höchstes Etmal von 178 Seemeilen zu schlagen und schaffen nur 173 Seemeilen (wir rechnen immer von 12 Uhr Mittag bis 12 Uhr Mittag)
Der Gennaker fällt immer wieder ein und als wir beschließen ihn zu bergen, bemerken wir, dass sich die Leine vom Bergeschlauch mit dem Segel verheddert hat. Da der Gennaker ein so großes und leichtes Segel ist, hat es einen Bergeschlauch, um das hissen und bergen einfacher zu machen. Das Segel befindet sich im Schlauch und beides wird zusammen mit dem Fall (einer Leine, die zum Top vom Mast geht) hinaufgezogen. Sind alle anderen Leinen festgemacht, wird der Schlauch durch eine Art Flaschenzug hochgezogen, dann kommt das Segel zum Vorschein und bläst sich im Wind auf. Beim Bergen ist es genau umgekehrt und der Schlauch wird über das einfallende Segel heruntergezogen. Dann wird das Fall wieder nach unten gelassen und das Segel samt Bergeschlauch kann an Deck wieder im Segelsack verstaut werden. Wenn jetzt aber die Bergeleine mit dem Segel verheddert ist, lässt sich das Segel nicht so leicht bergen. Wir versuchen das Fall langsam nachzulassen um so das Segel direkt an Deck zu bekommen. Allerdings verhängt sich dabei, wegen des nervenaufreibenden Geschaukels, die Hartplastiköffnung am unteren Ende des Bergeschlauchs in der 2. Saling (=Querstrebe) am Mast. Jetzt bekommen wir es weder rauf noch runter, während der Wind immer wieder ins Segel bläst. Perfekt, das ist genau das was man nicht will. Die einzige Möglichkeit das Schlamassel zu lösen, ist auf den Mast zu klettern und den „Wurschtl“ zu entwirren. Wir fixieren das Segel also so gut es geht, so dass es sich nicht weiter aufblasen kann. Dabei reißt der leichte Stoff an mindestens zwei Stellen – gut, dass wir noch spezielles Spinnaker-Tape haben, um das später zu reparieren. Beim Bergen des Großsegels reißt blöderweise auch noch eine Leine vom Lazyjack. Das sind Leinen, die diagonal zwischen Mast und Baum gespannt sind und das Segel beim Segelbergen führen und den Segelsack halten. Im Segelsack liegt das Segel am Baum geordnet drinnen, damit es nicht irgendwie vom Baum runterhängt oder dort extra fixiert werden muss. Nachdem nun eine Seite des Segelsacks nicht mehr hält liegt es irgendwie halb am Baum und halb an Deck. Es ist nicht weiter schlimm, aber hilft gerade nicht unbedingt. Ich (Ines) versuche Peter so schnell wie möglich in den Mast hochzuziehen, denn sonderlich lustig ist es da oben bei den Wellen nicht unbedingt. Doch die Leine, an der ich ihn hochziehen will hat sich in der ersten Saling verheddert, also noch mal runter, entwirren und wieder rauf. Endlich bei der 2. Saling angekommen, kann Peter das Übel schnell beheben und ich kann das Fall des Gennakers langsam lösen und ihn so an Deck holen. Sicherheitshalber lasse ich ihn gleich durch die Luke unter Deck fallen, damit nicht noch ein Malheur passiert. Beim Runterlassen von Peter wird es nochmal besonders unangenehm. Es ziehen ein paar große Wellen durch, die Vaquita ordentlich zum Schaukeln bringen. Peter umklammert wie ein kleines Äffchen den Mast, um nicht zur Abrissbirne zu werden. Danach lasse ich ihn so schnell es geht, aber immer noch kontrolliert nach unten, bis er endlich wieder an Deck steht. Für ihn war es definitiv sein persönlicher Boris-Hermann-Moment, der bei der Vendee Globe Soloregatta im Südatlantik auf den Mast seiner Rennyacht klettern musste. Eine Kletterpartie mitten am Atlantik ist auf alle Fälle nicht auf unserer Liste gestanden!
Etmal: 173 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 1142
Distanz bis Flores: 687 Seemeilen (Routing), 642 (direkt)
Essen: Pumpernickel mit Krenaufstrich, Schinken und Salat, restliche Asiatische Tofu-Kohl Pfanne mit Woknudeln, Nudeln mit selbstgemachten Gemüsesugo und Parmesan
Portugiesische Galeeren: 132
Walsichtungen: 3
Delfinbesuch: 1
Bermuda - Azoren Tag 11
Mo Juni 22 2026 21:44:00 GMT-0100 (Greenland Summer Time)
Einzig der Dinofresser sorgt bis Mitternacht dafür, dass Vaquita die Meilen frisst. Um 1 Uhr morgens beschließe ich (Peter), dass es Zeit für Ruhe ist, so zumindest der Plan. Ich beende die Einäscherung der Fossilien und lass das Großsegel raus. Langsam und unter leichtem, aber erträglichem Schlagen der Segel bewegen wir uns vorwärts. Die Welle hat deutlich abgenommen und es sind jetzt mehr geglättete Hügel die unter uns durchziehen. Zum Ende meiner Schicht und dem mühsamen Sieg über Fyodor Dostoevskys „Crime and Punishment“ - als Überfahrtslektüre für Nachtschichten 1/5 Sterne Empfehlung - hält mich ein grüner Pfeil am iPad (AIS Signal eines anderen Schiffs) von einem kurzen Nickerchen ab. Eine genauere Analyse am Plotter meldet CPA (Closest Point of Approach) 20 m (da fehlt kein n, gemeint sind tatsächlich Meter). Ich wache also müde vor dem Bildschirm über die Wahrung der Seefahrtskollisionsverhütungsregeln, denn als Segelboot sind wir hier am offenen Ozean das manövrierunfähigere Schiff und haben damit Vorrang. Die MRC Beliz lässt sich allerdings Zeit, erst 20 min vor der potentiellen Kollision adjustiert sie merklich den Kurs, immerhin funken sie freundlicherweise um uns das mitzuteilen. Damit ist meine Schicht beendet. Stefan hatte zwar recht mit dem Zitat:“Der Atlantik ist fucking groß“, allerdings ist es wie mit der Welt, irgendwie trifft man sich erstaunlicherweise immer wieder.
Ines, die sich was deutlich passenderes zum Lesen, als die qualvolle und düstere Lektüre über moralische Gewissensbisse nach einem Mord im St. Petersburg des 19. Jahrhunderts ausgesucht hat, findet in ihrem Buch (Alles gut, K. von Kirsten Neuschäfer, der Gewinnerin der Golden Globe Regatta) eine für mich äußerst vorteilhafte Inspiration. Kirsten, die ich eher am obersten Ende der Abenteuer- und Actionsegelskala einordnen würde, hat zwar nichts gegen Stürme mit 50 Knoten plus, aber und da sind sich fast alle Segler einig, was gegen schlagende Segel. Um das zu vermeiden fährt sie einfach so hart am Wind wie nötig um, wie es unser momentane Regattagegner Ulf sagen würde, den Schmerz in der Seele zu vermeiden. Ines macht das ebenso und damit ist mir ein äußerst sanfter Schlaf gesichert. Als ich erstmals das Licht der atlantischen Sonne erblicke, bin ich mir nicht sicher ob ich schon aufstehen muss. Meistens wache ich auf dieser Überfahrt ja auf und stelle fest, dass ich gerade so eine Stunde geschlafen habe. Diesmal schaut mich Ines an und teilt mir mit, dass es schön langsam Zeit wär auf die Beine zu kommen, schließlich sei es schon fast 9, ups. Da ich mir mit dem auf die Beine kommen schlauerweise Zeit lasse bekomm noch Frühstück serviert, heut ist wohl mein persönlicher Feiertag.
Auch segeltechnisch deutet alles darauf hin, aber das ist ja auch irgendwie verdient nach dem gestrigen Tag. Den Vormittag gleiten wir noch gemächlich ein wenig von Strömung geschoben unter „Ersatzgennaker“, also volle Fock voraus, dahin. Wir laden uns den 3. Wetterbericht in Folge herunter, der uns sagt, dass da wo wir sind jetzt gerade 10-12 Knoten Wind sind. Wir sehen wieder einmal mit viel Fantasie gerade so Böen bis 8 Knoten und fragen uns, ob wir nicht wissen wo wir sind oder ob Neptun der jamaikanische Halbzeitrum schlecht bekommen ist. Zu Mittag frischt es schließlich ein wenig auf und am Nachmittag können wir bei 12-15 Knoten Wind herrlich segeln.
Das Fußballduell gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien fällt aus rot-weiß-roter Sicht nicht so herrlich aus (Österreich verliert 2:0). Ines und ich merken wie verzerrt unsere Wahrnehmung der Zeit geworden ist. Die 2 Stunden des Spiels (wir lesen wieder den Liveticker) vergehen für uns wie 10 min, schließlich sind wir grad mal 10 Seemeilen weiter. Gar nicht so viel bei den 1800 Meilen, die wir zurücklegen. Wir fühlen uns wie Faultiere die einem Kolibri zusehen. Den Frust über die Niederlage unserer Leder jagenden Landsmänner macht ein gleich ans Match anschließender Delfinbesuch wett. Eine ganze Schule mit vielen jungen kleinen Meeressäugern besucht uns und begleitet uns eine gute Zeit lang. Die Kleinen flitzen den Großen kreuz und quer nach. Ein magischer Moment der uns schnell wieder in die gerade ruhige Welt am großen Ozean holt, in der alles in Ordnung ist!
Etmal: 96 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 1238
Distanz bis Flores: 550 (direkt, das Routing ignorieren wir angesichts der mangelhaften Wettervorhersagen mal)
Essen: Quesadillas, restliche Nudeln mit Gemüsesugo, Inzersdorfer Linsen mit Speck (Peter), Ramen (Ines)
Portugiesische Galeeren: 139
Walsichtungen: 3
Delfinbesuche: 2
Bermuda - Azoren Tag 12
Di Juni 23 2026 20:04:00 GMT-0100 (Greenland Summer Time)
Wir kommen sowohl in der Nacht als auch untertags gut voran. Wind und Welle sind sehr angenehm und so vergeht der Tag ohne, dass wir viel gemacht haben. Wir kochen schnelle Flammkuchen mit Tortillas in der Pfanne, lesen, spielen Qwixx, häkeln und schauen aufs Meer. Alles recht unspektakulär.
Dann schaut Peter zum Himmel und sieht „einen Kringel um die Sonne“. Ich schaue genauer hin und stelle schnell fest, dass es ein Halo ist, ein perfekter Lichtkreis um die Sonne. Ich erinnere mich davon etwas in unserem Wetterbuch gelesen zu haben und lese gleich nach. Verursacht wird der Halo durch die Brechung des Sonnenlichts durch Eiskristalle und ist ein früher Indikator für eine kommende Warmfront und Depression. Ich lese das ganze Kapitel „Vor einer Warmfront“ vor und wir können auch einige andere Wolkenphänomene am Himmel erkennen, die auf eine Warmfront hinweisen:
Die Cumuluswolken lichten sich mit der Zeit. Aus dem Westen ziehen dünne Wolken (Cirrus) heran, die aus Eiskristallen bestehen. Außerdem sehen wir Wolken, die wie Angelhaken aussehen. Das sind Cirruswolken, die sich in der Nähe des Jetstreams befinden. Hinter der Sonne im Westen sehen wir eine sich verdichtende Schicht tief hängender Wolken (Altrostratus).
All diese Anzeichen deuten darauf hin, dass uns in 12-36 Stunden eine Warmfront erreichen wird. Wir schauen uns daraufhin die Großwetterlage genauer an. Das nächste große Tief, das zu uns kommen soll, befindet sich derzeit in Maine und dessen Ausläufer sollen uns in etwa 48 Stunden erreichen. Wir sind uns etwas unsicher, ob wir tatsächlich so früh schon die Anzeichen dafür sehen können, aber können uns nicht erklären was es sonst sein soll.
Bis übermorgen sollen wir kaum Wind haben, was auch daran liegt, dass sich ein Hoch (derzeit östlich von uns) immer weiter zu uns bewegen soll. Wir hoffen aufs beste, dass wir zumindest etwas zum Segeln kommen und freuen uns schon auf den Wind, den das Tief am Donnerstag bringen soll.
Am Abend besuchen und nochmal Delfine. Diesmal sind es mindestens 25 Exemplare in allen Größen. Sie spielen sich wieder mal gerne in der Bugwelle, flitzen von einer zu anderen Seite und ein paar wenige springen sogar komplett aus dem Wasser. Wir stehen vorne am Bugkorb und genießen das Spektakel. Delfine sind einfach immer schön. Die flinken Meeressäuger haben einfach sichtlich Spaß im Wasser und dabei mit uns zu interagieren. Ich feuere sie dann immer an und habe manchmal wirklich das Gefühl, dass sie darauf reagieren und nochmal aus dem Wasser springen oder besonders schnell hin und her flitzen. Vor lauter Delfinaufregung ist jetzt eine Seite des Toasts etwas dunkler geworden, aber das ist uns egal.
Etmal: 127 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 1365
Distanz bis Flores: 426 Seemeilen (direkt, das Routing ignorieren wir angesichts der mangelhaften Wettervorhersagen mal)
Essen: Omelette mit Feta, getrockneten Paradeisern, Zucchini und Zwiebel, Flammkuchen mit getrockneten Tomaten, Kapern, Zwiebel und Harissa, Bauerntoast
Portugiesische Galeeren: 146
Walsichtungen: 3
Delfinbesuche: 3
Bermuda - Azoren Tag 13
Mi Juni 24 2026 20:38:00 GMT-0100 (Greenland Summer Time)
Wir brauchen unerwarteterweise nur 3 Stunden Dinosaft in der Früh um voranzukommen und können die restliche Zeit gut segeln. In der Nacht sogar schnell auf direktem Kurs. Untertags müssen wir dann vor dem Wind kreuzen, denn für einen direkteren Kurs ist schlicht zu wenig Wind. Immerhin kommen wir gemütlich bei Sonnenschein und wenig Welle vorwärts.
Das Gefühl mit dem Ankommen richtet sich irgendwie stets nach der Länge der Strecke. Bei unserer Strecke von 1800 Seemeilen kommt man gefühlt bei den letzten 400 schon fast an. Das ist natürlich völliger Blödsinn, 400 Meilen sind bei unseren derzeitigen Etmalen ungefähr 4 Tage Fahrt und ist damit immer noch eine respektable Überfahrt. Die Psyche spielt einem einen Streich und wir versuchen nicht darauf reinzufallen.
Wir haben einen sehr ruhigen Tag mit ein paar Segelmanövern, ansonsten lesen wir vor allem und bewegen uns zwischen Sonne und Schatten hin und her. Das Wetter ist aktuell wie im März am Berg. Sitzt man in der Sonne brennt sie fast ein wenig brutal herunter, im Schatten und vor allem in der Nacht fühlt es sich an, als würde der Wind direkt von einer eisigen Skipiste rüberwehen. Im Gegensatz zur Quellbodenhütten, unserer Lieblingsschihüttte, wo wir das sonnige, aber windgeschützte Einserplatzerl ganz genau kennen, haben wir es auf der Vaquita noch nicht gefunden. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass die Sonne je nach Kurs und Tageszeit wo anders hinscheint und auch die Windrichtung nicht konstant ist. Allerdings haben wir unsere Tauchponchos als praktisches Zusatzkleidungsstück entdeckt. Diese sind wie eine große Decke mit Kapuze und lassen sich leicht über alles drüberziehen und auch schnell wieder ausziehen.
Nächtens ist es trotz Pullover und Tauchponcho in der Zwischenzeit zu kalt um seine Schicht draußen zu sitzen, wir verbarrikadieren uns also drinnen beim Kachelofen, äh bei der Dieselheizung - noch haben wir sie nicht aktiviert, aber letzte Nacht waren wir aber kurz davor. Man merkt auch, dass die Wassertemperatur unter 20 Grad gefallen ist, denn der Boden des Bootes kühlt stark aus. Ein skurriler Gedanke, wenn man bedenkt, das wir auf der Höhe von Marokko sind und im deutlich nördlicheren Europa gerade Menschen an Hitzewellen sterben. Man merkt wie viel weniger Effekt die Erwärmung auf einen so großen Ozean wie den Atlantik hat.
Etmal: 113 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 1478
Distanz bis Flores: 317 Seemeilen (direkt, aber wahrscheinlich werden es eher um die 340)
Essen: Quesadillas, Asiatische Reispfanne, Loaded Nachos
Portugiesische Galeeren: 161
Walsichtungen: 3
Delfinbesuche: 3
Bermuda - Azoren Tag 14
Do Juni 25 2026 19:52:00 GMT-0100 (Greenland Summer Time)
Die Nacht können wir relativ gut sgeln. Um 3 Uhr in der Früh kann ich (Ines) ein schönes Schauspiel beobachten: der (Dreiviertel-)Mond versinkt langsam im Meer. Wie schon die Sonne ein paar Stunden davor färbt er sich dabei orange und beleuchtet mit seinem letzten Licht die Wolken. Einzig das Farbenspiel, dass die Sonne bei den momentan langen Sonnenuntergängen auf den Himmel zaubert, bleibt aus. Danach kommen die Sterne immer mehr zum Vorschein. Die Milchstraße ist eindeutig erkennbar und verläuft von Nordost nach Südwest über uns. Bei so klarem und von Lichtverschmutzung verschonten Bedingungen sind manche bei uns eindeutige Sternbilder, wie die Kassiopeia, gar nicht mehr so einfach zu erkennen, da sich so viele Sterne dazwischen tummeln. Ich muss auch meine geliebte Sternenapp zu Hilfe ziehen, um das sonst so markante Sommerdreieck zu finden. Es sind einfach zu viele funkelnde Sterne am Himmel. Nur das Erhaschen einer Sternschnuppe bleibt mir verwehrt, aber ich bin auch bekannt dafür immer in die falsche Richtung zu schauen, wenn alle anderen eine Sternschnuppe sehen. Nichtsdestotrotz genieße ich den Sternenhimmel in all seiner Pracht.
Zum Schichtwechsel um 4 Uhr ist es dann so weit der Wind kommt wiedermal genau aus West - wir müssen genau nach Ost - und ist sehr schwach. Egal was ich (Peter) mache die Segel schlagen, es schaukelt erbärmlich und wir sind langsam und das schon auf Raumkurs. Ich schaffe es trotzdem nebenbei sehr gut zu schlafen. Zu gut wie Ines findet, nachdem ich meinen letzten Wecker verschlafen habe, und um 6:30 Uhr meinen 30 min Schlummer-/Wachrhythmus genervt beenden muss. Ich hab mir vor dem schlafen gehen die AIS Daten aller Schiffe im Umkreis von 300 Seemeilen runtergeladen und nichts Gefährliches entdeckt, also konnte ich auch relativ entspannt schlafen. Beim 2. Wecker musste ich in einem Hafen der Azoren konzentriert segeln, als auf einmal der Wecker am iPad angeht. Genervt dreh ich ihn ab und segle weiter. Der nervige Wecker hört nicht auf zu läuten…ich wache auf und weiß warum. „Mach was gegen die schlagenden Segel!“ Nungut ich geh jetzt lieber raus. Ich kann mehr anluven, also Richtung Wind fahren, dann fahren wir noch mehr in die falsche Richtung, aber das Schlagen wird besser. Zum Wohle der Rastenden und der Nerven, aber auf Kosten des Fortschritts passe ich den Kurs um ein paar Grad an und koche mir einen Kaffee.
Unser zurückgelegter Weg sieht heute aus wie das Bergpanorama eines Volksschulkindes. Spätestens alle 2 Stunden halsen wir, in der Hoffnung, dass wir auf dem anderen Schlag besser Richtung Osten kommen. Vergeblich, wir müssen wohl warten bis wir die Ausläufer des Tiefdruckgebiets erwartungsgemäß heute Abend abbekommen, der Wind ein bisschen stärker wird und zuerst nach Südwest und dann nach Nordwesten dreht. Naja außer, dass wir mittelmäßig schnell, mit mittelmäßigem Umweg Richtung Ziel fahren, was in Summe relativ langsam Richtung Ziel ist, können wir uns nicht beklagen. Die Sonne scheint und wir sehen neben unzähligen Portugisischen Galeeren (über 170!), einen Hai in mittlerer Distanz schwimmen. Einzelne sind trotzdem ein wenig unterfordert und leben den „Nervibär“ auf Maximalniveau, zum Leid der anderen Einzelnen an Board. Wer welche Rolle innehat, ist das heutige Leserrätsel. Antworten bitte in die Kommentare, die Gewinner bekommen vom „Nervibär“ ein Bussi, also gut nachdenken.
Ines versucht sich an Brownies, leider meint sie schon beim rohen Teig der Backmischung, dass er ein wenig müffelt. Zur Verkostung des fertig gebackenen Endprodukts, gibt es zwar unterschiedliche (zwei) Stimmen: „Ich hab’s gesagt, die schmecken muffig, weißt du was ich mein?“ „ Hmm am Anfang sind sie gut, aber nachher schmecken sie als hätte man aufgestoßen.“ Wir sind uns also in der Detailfrage des genauen Geschmacks nicht einig, als Ines jedoch meint, ich soll den Haifisch füttern und sie macht eine neue Mischung, füge ich mich ohne weiteren Widerspruch und die muffig/aufstoßend schmeckenden Brownies gehen über Board. Mit Delfinen rechnen wir heute nicht mehr. Zu Mittag gibt’s dann das beste aus der US Küche - was in der Südsee vielleicht noch verlockend gewesen wäre, klingt beim Gedanken an portugiesisches Essen entbehrlich - Bowl and Basket Deluxe Mac‘n’Cheese mit Käsesoße, angeblich sogar mit echtem Käse (allein die Tatsache, dass das extra auf der Packung erwähnt wird, lässt auf die Qualität schließen) und danach eine neue Charge Brownies die wir im Konsens nicht näher beschreiben können, aber immerhin besser schmecken.
Etmal: 100 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 1578
Distanz bis Flores: 233 Seemeilen (direkt, aber wahrscheinlich werden es eher um die 260)
Essen: Quesadillas, Mac‘n‘Cheese, Brownies
Portugiesische Galeeren: 335
Walsichtungen: 3
Delfinbesuche: 3
Haisichtung: 1
Bermuda - Azoren Tag 15
Fr Juni 26 2026 20:31:00 GMT+0000 (Azores Summer Time)
Der Vormittag verläuft sonnig und es gibt süßes Frühstück, Brownies mit Delfinbesuch. Es ist eine Schule mit ungefähr 20 Exemplaren. Sie genießen sichtlich auch, dass der Wind zugenommen hat und wir wieder schneller unterwegs sind. Etwa eine halbe Stunde surfen sie die Wellen neben uns hinunter nur um als nächstes zum Bug zu flitzen um dort in der Bugwelle zu schwimmen. Wir genießen das Schauspiel und sind uns sicher, dass der Tag nur gut werden kann.
Ab dem späten Vormittag dreht der Wind etwas und wir können relativ flott in die richtige Richtung segeln. So macht das Segeln wieder echt Spaß und es wird immer realistischer, dass wir morgen noch bei Tageslicht in Flores ankommen. Wir stellen die Uhren auf Azoren Sommerzeit und schreiben dem Hafenmeister, dass wir voraussichtlich morgen am späten Nachmittag/Abend ankommen. Er meldet sich zurück, dass leider keine der 3 ausgelegten Bojen frei ist und wir uns bereit machen sollen zu ankern. Mist, wir haben gehofft, dass wir uns das Ankern auf dem steinigen Untergrund sparen können. Die Marina in Lajes ist leider 2019 bei einem für die Region untypischen Hurrikan zerstört worden und das jahrelange Provisorium muss nun tatsächlich einer neuen Marina weichen. Dementsprechend gering ist das Angebot für Segler dieses Jahr.
Zu unserem Glück kommen uns am späten Nachmittag ein weiteres Mal Delfine besuchen. Es sind nochmal mehr als beim ersten Mal, wir schätzen an die 30. Wohin wir auch schauen - direkt unterm Bug, aber auch zu den beiden Seiten - schwimmen Delfine in den Wellen. Einige sind besonders akrobatisch und zeigen ihr besten Sprünge oder aber eine seitliche Rolle direkt vor unserm Bug. Wir sehen auch ein Delfinbaby und seine Mutter, das gerade Mal einen Dreiviertel Meter lang ist. Trotzdem schwimmt es flink und im Einklang mit der Mutter hin und her. Was für besondere Momente der Ozean doch für uns bereit hält. Nach etwa 30-40 Minuten schwimmen auch die letzten fünf besonders verspielten Delfine wieder zurück zu ihrer Schule.
Wir gehen wieder zurück ins Cockpit und unterhalten uns über das schöne Naturschauspiel. Nach etwa einer halben Stunde springt wieder etwas vorne beim Bug. Wir können es kaum glauben, aber es ist eine weitere Schule Delfine. Drei Delfinbesuche an einem Tag - jetzt ist der Hat-Trick perfekt. Wieder sind es an die 20 Delfine, die uns unterhalten.
Am Abend beginnt es leicht zu regnen und wir begeben uns unter Deck. Hier ist es gemütlich und warm und es scheint so, als würden wir die (hoffentlich) letzte Nachtschicht von der Kommandozentrale aus machen.
Einmal müssen wir dann doch nochmals unserer gemütlichen Höhle rausschauen, nämlich um zu halsen. Es nieselt noch immer aus dem Nebel und wir wollen den Aufenthalt möglichst kurz halten. Doch was sehen wir da im Wasser um uns? Richtig, Delfine! Wir wissen nicht welche Delfinzusammenkunft stattfindet, aber es scheint als wären wir mitten am Hauptverkehrsweg dorthin unterwegs. Diesmal bleiben die Delfine nur ein paar Minuten, aber wir sind nicht böse, denn im Nieselregen ist es nicht allzu gemütlich.
Kaum unter Deck sehen wir es orange-rosa durch die Luke schimmern. Am Horizont hat sich der Nebel gelichtet und die Sonne geht gerade unter. Dabei bricht das letzte Sonnenlicht im abflauenden Nieselregen besonders schön. Was für ein herrliches Naturschauspiel. Zum Abschluss dieses herrlichen Segeltages springt die Distanz unserer Route vom 100 auf 99.9 Seemeilen. Was wollen wir mehr?
Etmal: 104 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 1682
Distanz bis Flores: 141 Seemeilen
Essen: Brownies, Eierreis mit Gemüse
Portugiesische Galeeren: 375
Walsichtungen: 3
Delfinbesuche: 7
Haisichtung: 1
Bermuda - Azoren Tag 16
Sa Juni 27 2026 15:30:00 GMT+0000 (Azores Summer Time)
In der Nacht kommen wir bei 15-20 Knoten Wind gut voran und reffen sogar nochmal das Vorsegel. In der Früh begleiten uns wieder 2 Mal Delfine, die ihre Sprungkünste unter Beweis stellen. Dann ist es endlich soweit: nach 2 Wochen ist das erste Mal wieder Land in Sicht! Wir sehen am Horizont die hügelige Insel Flores und etwas später dann auch noch die Nachbarinsel Corvo. Dabei zeigt sie sich grün, steil und mit Wolken behangen. Es hat etwas mystisches.
Zum Schlusssprint wird es nochmal sportlich. Der Wind ist nicht nur sehr böig sondern ändert auch ständig leicht die Richtung. Wir müssen hart am Wind fahren, um den Kurs auf Lajes das Flores halten zu können. Im Windschatten der steilen Klippen an der Südseite bergen wir die Segel und motoren die letzte Dreiviertelstunde zum Ankerplatz. Nach 14 Tagen, 19 Stunden und 30 Minuten lassen wir den Anker fallen. Wir haben es geschafft den Atlantik ein 2. Mal zu überqueren. Diesmal nur wir zwei und unsere kleines, aber robustes und schnelles Booti.
Etmal: 145 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 1827
Distanz bis Flores: 0 Seemeilen
Essen: Madleines
Portugiesische Galeeren: 383
Walsichtungen: 3
Delfinbesuche: 9
Haisichtung: 1