Atlantiküberquerung West-Ost Live Tracker
Hier ist unser Livetracker für unsere kommenden Atlantiküberfahrt - diesmal von West nach Ost. Nachdem wir von Panama über Jamaika und die Bahamas nach Bermuda gesegelt sind, haben wir uns dort mal 2 Wochen erholt. Nachdem das Wetter top aussieht und uns die Bierpreise von mindestens 11 Dollar drohen in den finanziellen Ruin zu treiben, heißt es Anker hoch und wir haben super Bock auf Superbock (Bier in Portugal). Wir segeln von Bermuda rund 1800 Seemeilen nach Flores auf die westlichste Azoreninsel. Für diese Strecke werden wir etwa 14-18 Tage brauchen. Dieses Mal sind wir nur zu zweit auf der Überfahrt über den großen Teich. Die aktuelle Vorhersage sieht gut aus, mal sehen was uns erwartet.
Hier könnt ihr unseren Fortschritt live mitverfolgen. Wir werden zwei Mal täglich die Position updaten und einmal pro Tag gibt es einen kurzen Blogbeitrag über das Bordleben. Wir freuen uns, wenn ihr live “mitsegelt”!
Bermuda - Azoren Tag 1
Fr Juni 12 2026 20:36:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Nachdem wir gestern beim Riggcheck mal wieder eine Baustelle entdeckt haben, aber diese zum Glück beheben konnten, hatten wir heute noch mehr als erwartet zu tun. Alles wegräumen, Unterwasserschiff putzen, kochen, einkaufen, ausklarieren und Dinghy putzen und verstauen. Statt um 12 Uhr kommen wir erst um 17 Uhr los, egal wir sind mindestens 14 Tage unterwegs da spielen ein paar Stunden keine Rolle.
Das Wetter könnte für den Einstieg besser nicht sein, mit 10-15 Knoten fahren wir Halbwind Richtung NNO mit Vollzug bei herrlichstem Wetter mit 5,5-6 Knoten. Bermuda hat uns unerwartet gut gefallen und es war uns nicht ganz unrecht, dass das Wetterfenster ein wenig auf sich warten hat lassen. Doch jetzt ist es Zeit weiterzufahren und uns erwartet für 2 Wochen nur blau.
Distanz bis Flores: 1771 Seemeilen (Routing), 1680 (direkt)
Essen: Gazpacho, kaltes Backhenderl, Sandwiches
Portugiesische Galeere: 1
Bermuda - Azoren Tag 2
Sa Juni 13 2026 19:50:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Die Nacht startet mit wenig Wind, fast schon etwas zu wenig. Gleichzeitig nimmt die Welle zu. An das Schaukekn müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Das merken wir ganz besonders, wenn wir etwas länger unter Deck sind. Nach Mitternacht nimmt der Wind etwas zu und wir düsen mit fast schon 6 Knoten bei Vorwindkurs durchs Wasser.
Die Lichter von Bermuda begleiten uns noch lange. Bis zu 40 Seemeilen Entfernung ist der helle Streifen am Horizont noch zu sehen. Dann verblasst auch er. Realisiert haben wir noch nicht, dass jetzt der Atlantik vor uns liegt und wir für ca. 2 Wochen nur Wasser sehen werden.
Beim Frühstück hören wir wieder des gewohnt hohe und kurze „Piep, piep, piep.“ Wie schon am Weg nach Bermuda besuchen uns wieder Tropikvögel. Diesmal sind es drei ausgewachsene Exemplare, die uns immer wieder umkreisen und für über einer Stunde begleiten. Wir sind schon gespannt wie oft wir sie noch sehen werden, denn für uns geht es ja jetzt in immer kühlere Gebiete. Derweil fragen wir uns im Pullover, langer Hose und zwei Decken ob wir wohl verwöhnt sind oder ob es Schneevögel sind.
Wind und Welle nehmen im Laufe des Nachmittags immer weiter zu. Es fängt auch an zu regnen und wir verkleinern unsere Segelfläche: das Groß und die Fock fahren wir jetzt im 2. Reff. Wir lümmeln uns unter Deck ein, während es draußen regnet und windet. Nach dem Abendessen überlegen wir noch weiter zu reffen, doch als der High Wind Alarm, den wir auf 35 Knoten gestellt haben, anfängt zu piepsen, ist sofort klar was zu tun ist. Wir verkleinern das Groß nochmal und haben jetzt das 3. und gleichzeitig auch letzte Reff eingebunden. Das Vorsegel rollen wir komplett weg. So kommt wieder Ruhe ins Boot und wir laufen 160 Grad vor dem Wind ab. Wir befinden uns zwischen 2 Gewittern und hoffen, dass uns die Blitze verschonen. So schnell ist es vorbei mit dem ruhigen Segeln und der Atlantik zeigt wieder mal was er drauf hat!
Etmal: 107 Seemeilen (in 19 Stunden)
Distanz bis Flores: 1668 Seemeilen (Routing), 1604 (direkt)
Essen: Schinken-Käse-Toast Deluxe, Banana Pancakes mit Nutella, Ramem
Portugiesische Galeeren: 5
Bermuda - Azoren Tag 3
So Juni 14 2026 18:20:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Die Nacht war alles andere als ruhig, denn wir haben offensichtlich ungewollt eine Lichtershow gebucht und noch dazu die mit Überlänge. Ab 20 Uhr abends fängt es leicht an zu regnen und wir sehen Blitze am Horizont. Segeltechnisch sind wir gut gerefft und wir sehen auch nicht mehr als 35 Knoten. Doch die Blitze lassen uns nur sehr unruhig schlafen, vor allem als wir den Donner dann auch immer lauter hören. Wenn es nicht gerade blitzt ist es stockfinster, es bringt also gar nichts rauszuschauen. Wir bauen unter Deck unsere neue „Kommandozentrale“ auf: ein iPad mit den Navionics Karten inklusive AIS (zeigt andere Schiffe in der Nähe an) und am anderen lassen wir uns Windwinkel, Windgeschwindigkeit, Bootsgeschwindigkeit und Kurs anzeigen. Damit sind wir bestens gerüstet. Erst um 4 Uhr in der Früh sind wir endlich aus dem Gewitter draußen. Das wichtigste Crewmitglied in der Nacht war eindeutig unser Autopilot, der uns auch bei dem Wetter zuverlässig gesteuert hat und es uns erspart hat im Nassen zu sitzen.
Zum Frühstück begleiten uns wieder kurz zumindest ein Tropikvogel. Das graue Wetter scheint ihn noch nicht abzuschrecken, auch wenn es für uns alles andere als tropisch ist.
Zu Mittag kommt tatsächlich wieder die Sonne raus und wir nutzen die Gelegenheit unsere nassen Jacken und Rettungswesten zu trocknen. Wind und Welle haben sich wieder beruhigt und wir fahren gemütlich in Richtung Ostnordost.
Der Wind wird etwas weniger und soll morgen untertags ein wenig abflauen bevor es dann wieder flott weitergeht. Wir sind nun fest in portugiesischem Gebiet. Überall patrouillieren die Galeeren, zum Glück durften wir bis jetzt ungehindert passieren. 15 Stück waren es heute.
Portugiesische Galeeren sind Quallen die ein Segel haben und ziemlich lange Tentakel (bis 40 m) und angeblich sehr unangenehm bei Berührung sind, allerdings nur äußerst selten tödlich.
Etmal: 133 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 240
Distanz bis Flores: 1547 Seemeilen (Routing), 1506 (direkt)
Essen: Schinken-Käse-Toast Deluxe (schon wieder, wir müssen den Toast aufbrauchen), Banana Pancakes mit Nutella (die restlichen 3 Stück), Erdäpfelgröstl
Portugiesische Galeeren: 20
Bermuda - Azoren Tag 4
Mo Juni 15 2026 19:19:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Was 24 Stunden für einen Unterschied machen können. Wir haben wenig Wind und Welle und nach einem wunderschönen Sonnenuntergang eine sternenklare Nacht. Pünktlich zum Neumond haben wir heute das Planetarium gebucht.
Am Himmel sehen wir das erste Mal seit langem wieder alte Bekannte, die in den südlicheren Breiten unter dem Horizont verschwunden waren wie Kassiopeia und das Sommerdreieck (bestehend aus Wega im Sternbild der Leier, Deneb im Schwan und Altair im Adler). Außerdem, stehen sowohl der große und der kleine Wagen wieder höher am Himmelszelt. Der große Bär zeigt sich in seiner ganzen Pracht und auch der Drache und Skorpion sind besonders gut zu erkennen. Aja und dann sind da noch die Sternschnuppen. Peter sieht in seiner Schicht die größte, die er je gesehen hat und erwartet schon kurz den Weltuntergang. Die Sternschnuppe hat fast einen fingerbreiten Streifen gezogen!
Wir fahren zwar nicht ganz in die richtige Richtung, aber dafür sind wir auch nicht so schnell. Da so wenig Wind ist, müssen wir weiter anluven, denn der Halbwindkurs ist schneller als der Vorwindkurs. Dadurch fahren wir aber nach Nordnordost anstatt den direkten Kurs auf die Azoren (ONO), was aber noch nicht weiter schlimm ist, da die Azoren sowohl noch nördlicher als auch östlicher von uns liegen.
Gegen Vormittag frischt der Wind auf und wir finden den Golfstrom. Zunächst drückt er uns noch gut nach Süden, soll uns dann gegen Abend aber kräftig in die richtige Richtung schieben. So zumindest die theoretische Vorhersage. Wir spüren aber nichts von mehr Wind und die Segel fangen immer wieder an zu schlagen. Irgendwann geben wir auf uns nach Norden zu kämpfen, denn der Golfstrom drückt uns weit nach Osten und wir sind sehr langsam. Wir machen wieder eine Halse und nehmen in Kauf durch den Golfstrom weiter südlich zu fahren als wir eigentlich wollen. Theoretisch sollte dieser demnächst nach Norden drehen, dann sollte es uns wieder in die richtige Richtung schieben. Schau ma mal…
Etmal: 101 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 341
Distanz bis Flores: 1441 Seemeilen (Routing), 1414 (direkt)
Essen: Sandwich mit Karotten-Kren-Aufstrich und Babyspinat mit Spiegelei, Gnocchi mit Spinat, Paradeisern und Feta, Asiatischen Kohl-Karotten-Gurkensalat mit Sesam
Portugiesische Galeeren: 50
Bermuda - Azoren Tag 5
Di Juni 16 2026 20:12:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Zur ersten Nachtschicht halsen wir und fahren mit dem Golfstrom 3 Stunden mit 7 Knoten Richtung Norden um für die nächsten Strömungen besser positioniert zu sein und um den gratis Ritt in nördliche Richtung auszunutzen. Immerhin fehlen uns noch ca. 2 Minuten Latitude (Breitengrad), also 120 nm auf die Höhe von Flores.
Einschub zur Latitude und Longitude:
Die Breitengrade (Latitude) verlaufen parallel zum Äquator nach Nord und Süd bis zu den Polen. Auf der vertikalen Achse der Merkatorprojektion entspricht 1 min = 60 nm. Ein Grad hat allerdings nicht wie bei der Uhr 60 min sondern nur 10 min. Dementsprechend ist ein Grad vertikale Änderung 600 nm.
Auf der horizontalen Ost-West Achse funktioniert diese Rechnung nicht, da die Längengrade (Longitude) von Pol zu Pol verlaufen und dadurch wegen der Kugelform der Erde nicht parallel sind. Somit hat einen Längengrad zum nächsten beim Äquator den größten Abstand und bei den Polen den kürzesten (bzw. stoßen da alle aufeinander).
Zum Schichtwechsel um Mitternacht hat der Wind auch auf 15 Knoten aufgefrischt und die Segel schlagen erstmals nicht, wir beschließen daher im 1. Reff weiterzusegeln. Der Wind hat jedoch andere Pläne und nach 2 Stunden weckt Ines mich frühzeitig um das 2. Reff ins Groß zu setzen. Es bläst mit 20 Knoten und die Welle hat sich auch ein wenig aufgebaut. Schlaftrunken blicke ich sie aus meiner gemütlichen, kuscheligen Schlafecke an und brauche erst mal 5 min um aus meiner Traumwelt zurückzukehren. Die Verlockung raus zum Masten zu gehen, wo es windet, kalt und sehr wahrscheinlich nass ist, ist ungefähr so hoch wie bei den meisten Menschen um 3 Uhr morgens bei -10 Grad Schneeschaufeln zu gehen. Ich besiege den inneren Schweinehund, ziehe Ölzeug und Schwimmweste bei gutem Gewackel an und begebe mich nach draußen. Das Reffen verläuft wie geschmiert, haben wir ja jetzt schon ein paar Mal gemacht. Danach lässt mich Ines nochmal 1,5 Stunden zurück in meine Kuschelhöhle kriechen.
Zu meinem Schichtbebinn vor Sonnenaufgang ist es bewölkt, finster und kalt. Es schaukelt heute wieder mehr. Wie die letzten Tage platziere ich einen Comfortseat am Cockpitboden, dort kann man nicht herumrutschen, decke mich mit einer Kuscheldecke zu und verwende die zweite als Polster. Ich stelle mir einen Wecker für 30 min und mach die Augen zu. Keine Minute später spritzt es mir von der Seite ins Gesicht. Ich vertrolle mich nach drinnen. Die Sonne lässt sich auch nach ihrem „Aufgang“ in der Früh nicht blicken. Nachdem das mit dem Schlafen heut nichts war, mach ich mir um 6 Uhr meinen morgendliche Kaffee, damit das blöd schauen ein bisschen wacher stattfinden kann.
Am Vormittag in Ines Schicht blitzt dann doch noch kurz die Sonne durch, doch den restlichen Tag ist es grau und bewölkt. Wir sollen am Abend noch die Ausläufer einer Front abbekommen, die nördlich von uns vorübergezogen ist. Das heißt der Wind soll zunehmen, die Welle auch und es kann auch noch regnen, hoffentlich nicht gewittern.
Wir verbringen den größten Teil des Tages unter Deck mit schlafen, lesen, häkeln oder einfach den Koordinaten am Funkgerät beim verändern zusehen (ja Prinzi, rawdoggen vom Feinsten). Vaquita fährt verlässlich in Richtung Osten, nur hie und da dreht eine Kreuzwelle das Heck oder den Bug aus und die Backbordwand taucht dann tief ins Wasser ein bevor uns der Autopilot wieder auf Kurs bringt. Das ist zwar anstrengend und macht Dinge wie kochen und bewegen am Boot unangenehm, aber ist sonst nicht weiter gefährlich. Am Abend sind wir gut gerefft (beide Segel im 3. Reff), machen schnell Meilen gut und sind bereit für die Ausläufer der Front, die in der Nacht durchziehen soll.
Etmal: 133 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 474
Distanz bis Flores: 1340 Seemeilen (Routing), 1297 (direkt)
Essen: Quesadillas, Mediterraner Nudelsalat mit Pesto, frischen Tomaten und Kapern, Curry mit Tofu und Zucchini
Portugiesische Galeeren: 58
Bermuda - Azoren Tag 6
Mi Juni 17 2026 19:07:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
Heute Nacht ist genau das Gegenteil zu gestern. Peter weckt mich gegen Ende seiner Schicht um kurz vor Mitternacht, da weniger Wind ist als angesagt, um das Segel zu entreffen. Diesmal stehe ich etwas schlaftrunken im Cockpit, aber bei der kalten Luft bin ich schnell munter. Im Zuge dessen halsen wir auch gleich, da der Wind etwas gedreht hat und wir den Kurs nach Nordost halten wollen.
Heute ist eine spannende Schicht für mich, denn um 1 Uhr ist der Anpfiff zum WM Spiel Österreich gegen Jordanien. Anschauen kann ich mir das Spiel zwar nicht, aber zumindest über den Live Ticker verfolgen. So sitze ich da, unter Deck vor unserer Kommandozentrale, mitten im Nordatlantik, das Buch von Kirsten Neuschäfer, die die Retrosegelregatta Golden Globe Race 2022 gewonnen hat, in der einen Hand und mein Handy mit dem Live Ticker vom Österreich Match in der anderen. Schon sehr skurril!
Das Golden Globe Race ist genau das Gegenteil davon. Das ursprüngliche Rennen fand 1968 statt und war die erste Einhandregatta nonstop um die Welt (Solosegler werden skurillerweise Einhandsegler genannt, auch wenn sie zwei Hände haben). Es ging von England aus in den Südatlantik, westwärts einmal ums Kap der Guten Hoffnung von Afrika, Kap Leeuwin von Australien und Kap Horn von Südamerika und wieder zurück nach England. Damals gab es natürlich noch keine technischen Hilfsmittel wie GPS, Wetterberichte über GRIB Files, elektronische Kartenplotter und geschweige denn Internet auf See. Damals gab es 9 Teilnehmer, nur zwei es mehr oder weniger beendeten: Sir Robin KnoxJohnston und Bernard Moitessier. Ersterer offiziell und galt damit als Sieger. Zweiterer war mit der kommerziellen Phylosophie hinter der Regatta nicht einverstanden und hat es sich, obwohl er in Führung war, anders überlegt und ist nach einer Runde noch eine weitere halbe nach Tahiti gesegelt ohne das Rennen zu beenden. Damit gingen die 5000 Pfund Preisgeld an Sir Robin Knox-Johnston. Er ist damit der Erste, der die Welt solo und nonstop umrundet hat.
Dementsprechend sind die Regeln bei der Neuauflage des Golden Globe Race folgende: klassische Bootstypen, kein GPS sondern Astronavigation, Solosegeln einmal nonstop um die Welt. 2022 gingen 16 Teilnehmer (davon nur eine Frau) an den Start und nur 3 konnten das Rennen Nonstop ohne Hilfe abschließen: Kirsten Neuschäfer aus Südafrika gewann vor Abilash Tomy aus Indien und dem Österreicher Michael Guggenberger, der nur sehr wenig Segeleefahrung hatte. Das Rennen dauerte mehr als 10 Monate. Das ist eine komplett andere Liga.
Zurück zum Fußball…Ich bin ehrlich gesagt froh das Spiel nur im Liveticker zu lesen anstatt anzusehen, denn es ist mehr als nervenaufreibend und so flüchte ich mich dazwischen immer wieder ins Buch und Kirstens Beschreibungen über den wilden Südpazifik während wir gemütlich, aber schnell im Nordatlantik segeln. Nach über 100 nervenaufreibenden Minuten gewinnt Österreich dann doch noch 3:1. So kann ich mich beruhigt in die Koje legen und die beste Schicht (die Schlafschicht) antreten.
Ich (Peter) probiere zu Beginn meiner Schicht heut erst gar nicht nach draußen zu gehen. Ich schau raus, check die Lage und stell mir einen Wecker für 30 min. So döse ich vor mich hin bis ich um 5:30 Uhr einen herrlichen Sonnenaufgang erblicke und mir dazu einen Kaffee mache. Anfangs ist es noch relativ frisch, aber im Laufe des Tages kommt die Sonne noch durch und ist richtig intensiv. Der Wind nimmt zunehmend ab und es hilft nur mehr den Gennaker, unser größtes Segel für Leichtwind, rauszuholen. Während wir noch so herumtrimmen, entdecke ich plötzlich 4 schlafende Wale friedlich Flosse an Flosse neben dem Boot vorbeiziehen. Es wirkt als würden sie Händchen halten, damit sie sich im Schlaf nicht verlieren. Definitiv das Highlight des Tages.
Der Wind ist jetzt grenzwertig wenig und im Laufe des morgigen Tages sieht es danach aus als müssten wir erstmals auf unseren Dinofresser (Motor) zurückgreifen. Freitags sollen wir dann allerdings wieder guten Wind haben. Wir haben heute 1/3 der Strecke hinter uns gebracht.
Etmal: 148 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 622
Distanz bis Flores: 1186 Seemeilen (Routing), 1146 (direkt)
Essen: Omelette mit Feta und Spinat, restlicher Nudelsalat, Eisbergsalat, Jause mit Pumpernickel, Gouda, Frischkäse und Schinkenaufstrich
Portugiesische Galeeren: 72
Walsichtung: 1
Bermuda - Azoren Tag 7
Do Juni 18 2026 19:56:00 GMT-0200 (South Georgia Time)
Wir segeln gestern den Gennaker fast bis zur letzten Brise. Um 23:30 Uhr bei flotten 6,5 Knoten Fahrt und 8 Knoten Wind, dreht der Wind dann zu weit nach Süd, um unseren Kurs noch halten zu können. Wir bergen ihn mit Hilfe unseres Decklichts und können noch kurz mit der Fock weitersegeln. Um 1:30 Uhr ist dann Schluss. Ines probiert noch herum. Es ist finster, kalt und nass. Sie schafft es das Boot halbwegs in die richtige Richtung mit gemächlichen 3 Knoten zu bringen. Sie muss sich gegen Ende ihrer Schicht dem Wind, der für uns zu schwach und aus der falschen Richtung kommt, geschlagen geben. Ich berge das Vorsegel und stell den Autopiloten auf Halbwindkurs und leg mich mit 30 min Weckern hin. Wir driften auf und ab, erst in der Früh nach Sonnenaufgang können wir wieder in die richtige Richtung segeln. Das ist so gemütlich, dass wir uns den Tisch drinnen aufbauen und mit unserer Induktionsplatte Frühstück kochen. Bei Toast, Tee, Kaffee und weichem Ei frühstücken wir am Tisch wie in einer ruhigen Marina, während wir mit 4-5 Knoten dahinrauschen.
Am frühen Nachmittag stirbt der Wind dann komplett und wir müssen erstmals den Dinofresser aktivieren. Der Tag wird kein Rekord Etmal bringen. Wir genießen die Ruhe, stellen die Uhren eine Stunde vor, das dauert eine Zeitlang bis wir einen Ort finden, wo es unsere Zeitzone gibt. Der, den wir finden, ist denkbar weit weg: Südgeorgien, nicht das Land sondern die Insel vor der Antarktis. Wir waschen uns selbst mal wieder und unsere Schuhe, da unser Schuhkasten komplett nass geworden ist und die Schuhe dementsprechend feucht sind und stinken. Die Temperatur ist ein wenig zu frisch um es Spa Day zu nennen, für unsere verwöhnten, braun gebrannten Tropenkörper ist es mehr wie Eisbaden. Es ist Jammern auf hohem Niveau, denn wir haben wenigstens heißes Wasser vom motoren. Während wir genüsslich unseren Bauerntoast essen, entdecken wir einen Wal. Er ist etwas weiter weg, aber wir sehen den Blas und den Rücken, wenn er auftaucht. An die täglichen Walsichtungen können wir uns gewöhnen. Mal schauen was die Nacht bringt laut Wettervorhersage müssen wir bis morgen Mittag motoren.
Etmal: 96 Seemeilen
Gesegelte Meilen: 718
Distanz bis Flores: 1105 Seemeilen (Routing), 1062 (direkt)
Essen: Toast mit weichem Ei, Curry mit Sojageschnetzelten, Pumpernickel-Bauerntoast mit Speck und Pfefferoni
Portugiesische Galeeren: 83
Walsichtungen: 2