Überfahrt von Jamaika auf die Bahamas

Etappe geschafft!

Die zweite Etappe auf dem Weg zurück nach Europa führt uns von Jamaika auf die Bahamas. Wir wollen auf die nächste Bahamas Insel namens Inagua, die nördlich der Straße zwischen Kuba und Haiti liegt. Die geplante Route sind rund 250 Seemeilen und wir rechnen mit 2-3 Tagen Überfahrt. Doch da wir durch den Ostwind sowie der starken Strömung sehr weit westlich in der Straße segeln und uns ums Ostkap Kubas kämpfen müssen, beschließen wir anstatt Inagua die weiter nordöstlich liegende Insel Long Island anzulaufen. Dadurch verlängerte sich die Strecke um 150 Seemeilen, aber wir haben Wind und Strömung mit uns. Die Überfahrt ist definitiv anstrengender als jene von Panama nach Jamaika (wir haben auch mehr Wind), doch wir werden mit türkisblauen Wasser und weißen Sandstränden belohnt!

Unsere Überfahrt von Jamaika auf die Bahamas in Zahlen:

  • Distanz: 416 Seemeilen, davon unter Segel: 285 Seemeilen

  • Motorstunden: 31 Stunde 20 Minuten

  • Zeit: 3 Tage 18 Stunden 52 Minuten

  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 4,6 Knoten

Jamaika - Bahamas Tag 1

Mi Mai 06 2026 18:26:00 GMT-0500 (Eastern Standard Time)

Um 13:16 legen wir schweren Herzens in Port Antonio ab. Uns fällt nicht nur der Abschied von Jamaika, sondern auch der von unsere neu gewonnenen Freunden Iris und Jeff von der SY Alea schwer. Zusammen haben wir die letzten Tage einen Roadtrip durch Jamaika unternommen und dabei sehr viel Spaß gehabt (eigener Blogartikel dazu folgt). Wir wären gerne zusammen mit ihnen weiter gesegelt, doch für uns geht es jetzt auf die Bahamas und für die beiden morgen in Richtung Guatemala.

Kaum biegen wir aus der Marina und in den Kanal ein, bläst uns der Wind mit über 20 Knoten entgegen. So ruhig es war wie wir in Jamaika angekommen sind, umso sportlicher ist es beim wegfahren. Wir setzen das 2. Reff in Groß und Fock und düsen mit fast 7 Knoten gen Nordosten. Wir sind froh noch eine gute Portion Pizza von gestern übrig zu haben und essen sie gleich kalt - bei den Bedingungen haben wir beide keine Lust am Herd zu stehen. Nach 2-3 Stunden haben wir uns wieder ans Segeln gewöhnt und auch der Wind ist weniger geworden und hat sich bei rund 13 Knoten eingependelt. Dieser sollte bis Mitternacht ungefähr anhalten, bevor er immer weniger wird. Ab morgen in der Früh werden wir wohl wieder motoren müssen.

Distanz bis auf die Bahamas: 254 nm
Essen: kalte Pizza vom Vortag

Jamaika - Bahamas Tag 2

Do Mai 07 2026 18:20:00 GMT-0500 (Eastern Standard Time)

Nach einer noch sportlichen Schicht bis 23:00 mit gutem Wind und Fortschritt, stirbt der Wind wie angekündigt zunehmend. Ab 5 Uhr morgens motoren wir vor allem. Zuerst können wir noch ein wenig motorsegeln, ab Mittag ist es nur mehr motoren. Wir merken wieder, egal wie oft man Überfahrten gemacht hat, der erste Tag ist oft immer noch hart. Obwohl das Wetter sehr ruhig ist erholt sich Ines nicht so richtig und schläft viel. Ich vertrödel mir die Zeit mit viel blöd schauen und dem rekapitulieren unserer Eindrücke von Jamaika.

Soweit verläuft alles nach Plan. Nachdem man hier selten Wind aus der richtigen Richtung hat, haben wir das Fenster mit keinem Wind genommen. Ab morgen Vormittag sollten wir zwischen Haiti und Kuba im Norden rauskommen und wieder Passatwinde für das letzte Stück haben.

Etmal: 99 (23 Stunden)
Distanz bis auf die Bahamas: 155 nm
Essen: Inzersdorfer Erdäpfelgulasch, Ramen

Jamaika - Bahamas Tag 3

Fr Mai 08 2026 19:02:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)

Die Nacht beginnt sternenklar. Noch ist sowohl der kleine Wagen als auch das Kreuz des Südens zu sehen. Wir sehen auch einige Sternschnuppen. Das einzige was die Stimmung trübt ist das Motorengeräusch und die Strömung, die uns gefühlt gar nicht vorankommen lässt. Bei Sonnenuntergang nehmen wir auch noch das Vorsegel dazu, um mit der Kombination Motor und Segeln schneller voran zu kommen und auch höher am Wind fahren zu können. Doch es ist nach wie vor mühsam. Dann taucht in der Ferne Land auf, doch es sind noch nicht die Bahamas sondern Kuba und so beginnt der Kampf ums Kap. Wir müssen nämlich das Ostkap umfahren, doch die Strömung drückt uns mit 1,5-2 Knoten nach Westen und der Wind aus Nordost erschwert es zusätzlich in die richtige Richtung zu kommen. Die Insel Inagua, die wir in den Bahamas anpeilen, ist noch östlicher als das Kap von Kuba und wir zweifeln wie und wann wir dort ankommen werden, wenn wir jetzt schon so langsam nach Osten kommen. Darum beschäftigen wir uns nochmal mit anderen Optionen. Wir können auch auf Long Island einklarieren. Die Insel liegt Nordwestlich vom Ostkap Kubas und sollte demnach leichter für uns zu erreichen sein, denn so müssen wir nicht gegen Wind und Strömung ankämpfen. Der Weg ist zwar etwas länger, aber wir sollten am Sonntag Nachmittag unserer Zeit ankommen.

Apropos Zeit, heute stellen wir unsere Uhren eine Stunde vor, denn sowohl Kuba als auch die Bahamas liegen in einer anderen Zeitzone. Damit haben wir noch einen Zeitunterschied von 6 Stunden zu Österreich.

Mir (Ines) geht es heute zum Glück wieder besser und am Nachmittag macht das Segeln auch wieder Spaß! Wir können auch endlich den Motor wieder ausschalten und machen wieder schneller Strecke gut.

Etmal: 99 nm
Distanz bis auf die Bahamas: 77 nm (Inagua), 195 nm (Long Island)
Essen: Schinken Käse Toast mit Zwiebel und Avocado, Asiatische Eiernudeln mit Kraut, Spiegelei und Sesam
Kohlhappelzähler (seit Panama): 7/9,5

Jamaika - Bahamas Tag 4

Sa Mai 09 2026 18:52:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)

Nachdem wir das Kap kurz nach Sonnenuntergang endlich umrundet haben, können wir etwas abfallen, das heißt wir haben den Wind jetzt mehr von der Seite als von vorne. Dadurch schaukelt uns zwar die Welle etwas mehr, aber wir machen gute Fahrt bei 12-15 Knoten Wind. Die unspektakuläre Nacht wird zum Tag. Der Wind nimmt auf bis zu 18 Knoten zu und wir sind schnell, zu schnell. Mit dem Tempo kommen wir in Long Island um etwa 3 in der Früh an. Wir scheinen in der Zwischenzeit auch etwas Strömung mit uns zu haben. Die Ankerbucht vor Clarence Town ist sehr seicht und es gibt auch Korallenköpfe. Hier wollen wir nur bei Tageslicht ankern. Darum rollen wir am Nachmittag das Vorsegel komplett weg und fahren nur noch mit dem Groß im 2. Reff. So machen wir statt 6 Knoten noch immer 4,5 Knoten Fahrt und unsere Ankunftszeit liegt somit bei 8/9 Uhr in der Früh - perfekt! Wir segeln gemütlich dahin und freuen uns schon morgen Früh ein neues Land erkunden zu können.

Der letzte Sonnenuntergang dieser Überfahrt ist nochmal was besonderes. Da heute kaum Wolken am Horizont stehen, geht die Sonne direkt im Meer unter. Eigentlich schon schön genug, aber es wird noch spektakulärer. In den Sekunden vor dem kompletten Untergang färbt sich der noch übrige Bogen der verbliebenen Sonne hellgrün. Dieses Phänomen nennt sich „Grüner Schein“ oder „Grüner Blitz“ („Green Flash“) und ist aufgrund der eingeschränkten Fernsicht durch Luftverschmutzung nur an Orten wie dem Meer, in der Wüste oder den Bergen zu sehen. Erklärt werden kann das mit der erhöhten Lichtbrechung am Horizont, wodurch sich das Licht der Sonne in seine Spektralfarben zerlegt. Die Farbe Grün bleibt dabei am Ende über und kann für einige Sekunden gesehen werden.

Etmal: 123 nm
Distanz bis auf die Bahamas: 90 nm (Long Island)
Essen: Quesadillas, Wassermelone, Nudeln mit Pesto Rosso
Kohlhappelzähler (seit Panama): 7/9,5

Jamaika - Bahamas Tag 5

So Mai 10 2026 10:00:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)

In der Nacht kommt wieder etwas mehr Wind auf mit Böen bis zu 20 Knoten. Für uns gar kein Problem, da wir sowieso nur mit dem Groß im 2. Reff fahren. Die Welle nimmt auch etwas zu, was die Nacht etwas unruhig macht. Noch dazu spritzen immer wieder Wellen am Rumpf hoch und direkt ins Cockpit. Direkt unter der Sprayhoad ist man zumindest davor geschützt. Wieder einmal wird die Ungeduld anzukommen kurz vor dem Ziel besonders groß.

Kurz vor der Ankunft liegen dunkle Wolken über Long Island, doch als wir in die Bucht einbiegen, hat sich schon wieder alles verzogen. Zum Glück haben wir gutes Licht, denn die Bucht ist teilweise seicht, durchzogen von Riffen und Korallenköpfen. Vorsichtig und langsam arbeiten wir uns vor, um ein sandiges Platzerl, das noch tief genug für uns ist, zu finden. Das Wasser ist kitschig türkis und glasklar. Wir lassen den Anker mitten im weißen Sand fallen und er hält sofort. Wir sind glücklich die Passage geschafft zu haben und endlich auf dieser paradiesischen Inseln angekommen zu sein!

Jetzt ist es Zeit fürs Frühstück, danach heißt es Dinghy aufpumpen und an Land paddeln (unser Motor ist leider gerade kaputt) um den Einklarierungsprozess abzuschließen. Darauf müssen wir natürlich mit einem einheimischen Bier anstoßen! Prost!

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