Eine Woche Schräglage: Überfahrt von den Bahamas nach Bermuda
Für uns geht es von Conception Island, Bahamas weiter nach Nordosten nämlich nach Bermuda. Von den Bahamas nach Bermuda sind es direkt 770 Seemeilen. Die ersten 5 Tage segeln bei relativ konstantem Wind von 10-15 Knoten am Wind - und haben dementsprechende Schräglage - bevor uns die Flaute einholt. Wir schaffen es dank der Strömung und wenig Welle trotzdem noch sehr langsam zu segeln und nach mehreren Stunden ist der Wind auch wieder zurück. Die letzten 1,5 Tage segeln wir dann mit Raum- und Vorwindkurs. Generell war es eine sehr schöne Überfahrt mit fast keinen Motorstunden. Wir knacken auf der Strecke auch die 10.000 Seemeilen auf unserer Reise - ein Grund zum Feiern!
Bermuda begrüßt uns erst mal mit stürmischem Wind und so bleiben wir noch einen weiteren ganzen Tag an Bord, bevor wir die Gassen von St. George mit seinen bunten Steinhäusern besuchen können.
Unsere Überfahrt von den Bahamas nach Bermuda in Zahlen:
Distanz: 801 Seemeilen, davon unter Segel: 797 Seemeilen
Motorstunden: 1 Stunde 20 Minuten
Zeit: 6 Tage 16 Stunden 51 Minuten
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5,0 Knoten
Fliegende Fische an Deck: 8 + einer im Bad
Bahamas - Bermuda Tag 1
Do Mai 21 2026 20:35:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)
Wegen der für die nächsten zwei Tage vorhergesagte höhere Gewittewahrscheinlichkeit überlegen wir lange, ob wir wirklich heute losfahren wollen. Andererseits wollen wir nicht in die Front mit stärkeren Nordwinden kurz vor Bermuda kommen, die ab dem 30./31. Mai einsetzen sollen. Der Himmel ist aber aktuell klar und der Wind nicht zu stark. Also lichten wir um 14:40 doch endlich unseren Anker. Wir fahren noch einmal bei Carolyn und Doug vorbei, die uns die letzten Tage Conception Island gezeigt haben, und winken zum Abschied. Es ist immer erstaunlich wie fremde Menschen einem innerhalb von wenigen Tagen ans Herz wachsen können.
Außerhalb der Bucht hissen wir die Segel (beide im 2. Reff) und segeln zuerst nach Norden, um an dem langen Riff vorbeizukommen. Erst dann können wir mehr Richtung NO abdrehen. Der Wind bläst mit 16/17 Knoten und natürlich müssen wir hart am Wind (50 Grad am scheinbaren Wind) fahren. Vaquita fühlt sich wie immer wohl bei dem Kurs, während wir uns erst wieder a die Bewegung gewöhnen müssen. Auch unserem Kürbis ist die Bewegung zu viel und er verabschiedet sich kurzerhand von uns und fliegt von unserem Gemüsenetz in den blauen Nordatlantik. Darum gibt es zum Abendessen auch nur schnelle Ramen.
Distanz bis Bermuda: 770 Seemeilen
Essen: Ramen
Bahamas - Bermuda Tag 2
Fr Mai 22 2026 17:40:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)
Die Nacht startet sternenklar. Der Wind variiert zwischen 10 und 18 Knoten. Um ca. 3 Uhr in der Früh ziehen dann mehr Wolken auf und wir steuern direkt auf eine besonders Dunkle zu (das ist sogar in der Nacht zu erkennen nachdem der Mond schon wieder untergegangen ist). Es dauert nicht lange und wir sind mitten in einem großen Regenschauer. Der Wind ist sehr böig und so reffen wir das Vorsegel noch etwas. Wir sehen auch ein paar wenige Blitze und einmal donnert es relativ nahe. Zum Glück ist es kein großes Gewitter und wir sehen auch nicht mehr als 20 Knoten Wind, aber wir fahren ca. eine Stunde durch den Regen, bevor sich die Sterne wieder von ihrer schönsten Seite zeigen.
Der Vormittag ist sonnig und wir vertreiben uns die Zeit abwechselnd mit schlafen und Musik hören sowie lauthals dazu singen. Mitten am Ozean hört einen ja keiner.
Es geht angenehm und überraschend direkt Richtung Bermuda. Am frühen Nachmittag bekommen wir nochmal Besuch von einer kleinen Regenwolke und werden etwas ausgebremst. Dafür nutzen wir die Ruhe um unsere Ramen mit unserem überschüssigen Sonnenstrom zu kochen. Obwohl wir schon 70 nm von der nächsten Insel entfernt sind sehen wir noch einige Vögel. Im Laufe des Tages, werden es weniger Vögel und mehr fliegende Fische.
Gestern startete die Atlantic Rallye for Cruisers (ARC) in Richtung Europa von Bermuda. Eine sehr beliebte Rallye, was aber auch heißt das wieder Platz sein sollte, wenn wir ankommen, immerhin starten um die 100 Boote Richtung Azoren. Wir haben derweil unsere eigene kleine Rallye mit Ulf, den wir noch aus Panama kennen, der sich endlich zwischen Kuba und Haiti durchgekämpft hat und ca 100 nm südöstlich von uns ist. Außerdem sind heute 3 anderen Boote von Abaco, Bahamas nordwestlich von uns Richtung Bermuda gestartet. Wir kennen sie noch nicht persönlich, haben uns aber in einer WhatsApp Gruppe, für Segler die den Atlantik Richtung Europa queren, ausgetauscht.
Zum Abendessen gibt es gegrilltes Schweinefleisch mit Erdäpfelsterz. Vielen lieben Dank noch mal an Carolyn und Doug, die einfach so ein Stück Fleisch für uns gegrillt haben, damit wir etwas leckeres für die Überfahrt haben. Die Seglercommunity ist schon was ganz besonderes und Menschen wie Carolyn und Doug umso mehr. DANKE!
Etmal: 104 Seemeilen (in 21 Stunden)
Distanz bis Bermuda: 673 Seemeilen
Essen: Quesadillas, Ramen und übriggebliebene Nudeln mit Pesto, Carolyn und Dougs Schweinefleisch mit Erdäpfelsterz
Abgeschossenen Regenzellen: 2
Bahamas - Bermuda Tag 3
Sa Mai 23 2026 18:51:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)
Die Nacht ist klar und ruhig. Der Wind bläst um die 15 Knoten und wir fahren immer noch 45 Grad am scheinbaren Wind.
In der Früh besuchen uns zwei Tropikvögel. Die schneeweißen Vögel mit dem kleinen orangenen Schnabel und dem langen weißen Schwanzfedern fliegen immer wieder ums Boot und unterhalten sich dabei mit aufgeregtem “Piep piep piep”. Einer der beiden versucht seitlich auf unserem Mast zu langen, doch fliegt stattdessen leicht an, fängt sich aber im Flug wieder und fliegt dann wieder weiter seine Runden. Nichts passiert!
Ansonsten geht es bei Sonnenschein und ziemlich stabilen Wind Richtung Nordost, das bleibt laut Wettervorhersage auch bis Dienstag so. Wir schlafen uns heute mal gut aus und essen viel. Kurz vor Mittag kommt uns das Cargo Schiff “Nord Ling” entgegen und auf 1,5 Seemeilen nahe. Ansonsten lesen wir uns schauen aufs Meer. Eine feine Gischt spritzt uns heute auch im Cockpit besonders oft ins Gesicht. So genehmigen wir uns eine Frischwasserdusche. Wir sind auf alle Fälle schon wieder gut im Segelmodus angekommen und die Tage fangen an zu verschwimmen, dabei sind wir noch gar nicht so lange unterwegs.
Etmal: 120 Seemeilen
Distanz bis Bermuda: 544 Seemeilen
Essen: Quesadillas (Standardfrühstück, da wir kein Toastbrot mehr haben), Inzersdorfer Chili con Carne, Mannerschnitten, “Weißer Wok” mit Zwiebel, Kraut und Sojasprossen und Reis (Bootseigenkreation), eingelegte Pfirsiche
Abgeschossenen Regenzellen: 2
Kohlhappelzähler: 5/9,5 (noch aus Panama; einer ist schlecht geworden)
Fliegende Fische an Deck: 1
Bahamas - Bermuda Tag 4
So Mai 24 2026 18:39:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)
Der Wind nimmt gegen Abend leicht zu und hat etwas östlicher gedreht. Wir segeln mit 5,5-6 Knoten zwar schnell, dafür etwas weniger Richtung Osten, als noch zuvor. Laut Wetterbericht sollte das kein Problem sein. Es geht wohl noch bis Dienstag Morgen weiter Richtung Nordnordost. Dienstags kommen wir in eine Flaute und müssen auf die Kraft vom Dinosaft vertrauen und mittwochs kommen wir dann in einen Westwind mit dem wir die fehlende Distanz Richtung Osten gutmachen können.
Bei Kaffee und Zuccheritas “Müsli” - der Name ist Programm - schau ich den Tropikvögeln zu. Diesmal haben wir Besuch von gleich vier Vögeln. Quietschend fliegen sie stundenlang im Kreis ums Boot, inspizieren das Vorsegel genau und versuchen am Mast zu landen. So galant die Vögel sonst durch die Luft gleiten, beim komplizierten Landeanflug zum Mast flattern sie wie wild, strecken alle Federn von sich und strampeln mit ihren entenartigen Füßen wild herum. Scheinbar haben sie viel Spaß dabei. Ich lese kurz und über unsere Begleiter, haben wir sie doch am Strand kennengelernt und treffen sie jetzt fast 400 km vom nächsten Land mitten am Meer. Der Name ist offensichtlich Programm, die Vogel leben in den Tropen und fliegen die meiste Zeit ihres Lebens. Zwei von den Arten kommen quer über den Globus in den Tropen vor. Die Vögel kommen nur zum brüten an Land, da haben wir sie kennengelernt. Da sie Bodenbrüter sind bleiben ihnen wegen der Verbreitung von Katzen und Nagern durch den Menschen nur mehr wenige einsame Inseln zum brüten übrig. Conception Island ist eines dieser verbliebenen Naturparadise.
In der Früh lässt der Wind nach und es geht mit verminderter 4-4,5 kn weiter. Am Vormittag ziehen wir für ein paar Stunden das ganze Segel raus, nur um es zu Mittag, just als Peter schlafen geht, wieder zu reffen. Es ziehen seltsame Nieselwolken durch, die allerdings den Wind bis in den Nachmittag durcheinanderbringen. Ines häkelt an einem Hummer, nachdem wir außer fliegenden Fischen noch keine Meerestiere gesehen haben.
Etmal: 122 Seemeilen
Distanz bis Bermuda: 440 Seemeilen
Essen: Frühstücksburritos mit Speck, Eierspeis und Paradeisern, Ramen Carbonara mit Speck
Abgeschossenen Regenzellen: 2
Kohlhappelzähler: 5/9,5 (noch aus Panama; einer ist schlecht geworden)
Fliegende Fische an Deck: 3
Bahamas - Bermuda Tag 5
Mo Mai 25 2026 18:24:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)
Die Nacht beginnt mit wenig Wind, zum Schichtwechsel gehts aber wieder in angemessenem Tempo voran. Es ist immer wieder bewölkt, aber Regen haben wir keinen. Ansonsten verläuft die Nacht bis auf zwei nicht ganz unwesentliche Meilensteine ruhig:
1. Bergfest, das heißt wir haben streckenmäßig die Hälfte unserer Überfahrt nach Bermuda geschafft. Das heißt nur noch drei Mal schlafen bis wir da sind…okay bei unserem 3,5 Stunden Schlafrythmus ist es doch noch etwas öfter, eher so 7-10 Mal.
2. Wir haben 10.000 Seemeilen auf unserem Trip seit Italien zurückgelegt. Damit dürfen wir uns offiziell jeder zwei Schwalben tätowieren lassen. Jede steht für 5000 gesegelte Seemeilen.
Zum letzten Schichtwechsel zu Sonnenaufgang, der in der Zwischenzeit um 5:00 Uhr ist, nimmt Vaquita, unser kleiner Schweinswal, wieder zügige Fahrt auf und düst wie Thomas die Lokomotive auf Schienen mit leichter Krängung am Wind Richtung Bermuda. Zumindest bis ich das erste Wetterrouting des Tages laufen lasse und leicht nach Norden abfalle, um hoffentlich der morgen bevorstehenden Flaute ein wenig auszuweichen. Ich schreibe den Bahamasbericht fertig, den Ines schon begonnen hat und wundere mich bei einem Kaffee über die Abwesenheit der Tropikvögel. Um 8:00 Uhr höre ich das bekannte quietschen und da sind sie wieder, diesmal drei Exemplare. Vielleicht wurde einer vertrieben, denn wir konnten gestern beobachten wie ein anderer Vogel einen der Tropikvögel jagte oder aber einer war schlau genug zu begreifen, dass das mit dem Landen an Bord nichts mehr wird.
Gegen Mittag wird der Wind etwas weniger und dreht etwas Richtung Süd. Wir können etwas abfallen und fahren jetzt nicht mehr ganz so hart am Wind und auch die Welle kommt jetzt seitlicher. Wir machen trotzdem noch gut Geschwindigkeit. Alles in allem ein herrliches Segeln bei Sonnenschein. So könnte es jetzt gern bis Bermuda weitergehen.
Wir feiern unsere Meilensteine mit einem kleinen Schluck Rum, den wir natürlich auch mit Neptun teilen und gönnen uns schottische Biscuits. Zu guter letzt gönnen wir uns auch noch eine Süßwasserdusche im Cockpit, denn so ein Tag kann nur ein Spa day sein.
Etmal: 123 Seemeilen
Distanz bis Bermuda: 313 Seemeilen
Essen: Quesadillas, tiefgekühlte Tamales aus Panama (Maisteig mit Hendlfleisch gekocht in einem Bananenblatt), Gebratener Eierreis
Abgeschossenen Regenzellen: 2
Kohlhappelzähler: 5/9,5 (noch aus Panama; einer ist schlecht geworden)
Fliegende Fische an Deck: 7
Bahamas - Bermuda Tag 6
Di Mai 26 2026 19:42:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)
Es wird super ruhig auf Vaquita, der Wind nimmt weiter ab, wir können trotzdem noch segeln und dank des Halbwindkurses hält sich das Schlagen der Segel in Grenzen. In der Früh ändern wir die Routine heute ein wenig. Ines geht zum 5 Uhr Schichtwechsel nicht direkt schlafen sondern wir frühstücken zuerst noch gemeinsam und genießen den Sonnenaufgang und den zugehörigen Besuch unserer Tropikvögelbegleiter.
Es ist so ruhig, dass wir den Wassermacher aufdrehen können um nicht nur unseren gestrigen Spa Day zu kompensieren, sondern unseren kompletten Tank wieder auffüllen. Wir haben etwa 60 Liter Wasser verbraucht, das heißt wir brauchen ca. 10 Liter pro Tag. Der niedrige Verbrauch ist damit erreichbar, dass wir das Geschirr mit Salzwasser spülen (dafür haben wir eine eigene Fußpumpe bei der Abwasch) und auch die Klospülung funktioniert mit Salzwasser.
Wir sind heute beide gut ausgeschlafen und können dadurch den ganzen Tag zusammen verbringen. Das ist eine schöne Abwechslung. Dementsprechend viel gibt es zu berichten. Noch in der Früh sehen wir einige kleine Delfine, die unseren Weg queren und dabei ein paar Kunstsprünge von sich geben.
Wir beschließen unseren Mini Tiefkühler leerzuessen und so bereitet Peter Steak mit Bratkartoffeln zu. Wir vertreiben uns die Zeit mit Würfelpoker. Danach geht’s zum nächstbesten Tätowierer - wir haben ja gestern schließlich die 10.000 Seemeilen geknackt und so tätowieren wir uns gegenseitig 2 Schwalben auf die Körper. Peter bekommt zusätzlich noch einen Anker, der für eine bewältigte Atlantiküberquerung steht. Ob man die Schwalben erkennt ist so eine Sache, aber die Auswahl der Tätowierer hier draußen ist überschaubar, dementsprechend auch das Ergebnis. Naja, Tätowierer is a leiwonde Hokn ob wir uns damit deppert verdienen, wahrscheinlich weniger.
Der Wind wird am Nachmittag immer weniger und bläst dann nur noch mit 4-5 Knoten. Da wir morgen bei Tageslicht sowieso nicht mehr ankommen würden, machen wir uns keinen Stress und wollen den Motor so gut es geht vermeiden. Zum Glück haben wir Strömung und machen immerhin noch 3 Knoten Fahrt. Gegen 17 Uhr müssen wir dann heute tatsächlich noch ein Segelmanöver machen, denn der Wind dreht wie vorausgesagt südlicher und schließlich auf West. Also machen wir einen Halse, das heißt wir drehen das Heck durch den Wind, und haben zum ersten Mal auf dieser Passage die Segel auf der Steuerbordseite. So fahren wir jetzt nach NNO, wo um Mitternacht der Wind auch wieder mehr werden soll. Bis dahin lassen wir uns einfach langsam dahinschaukeln.
Es ist übrigens (noch) nicht so kalt, dass man ein Stirnband braucht, sondern Ines hat leichten Ohrenschmerzen am rechten Ohr und möchte so einer Entzündung vorbeugen.
Etmal: 115 Seemeilen
Distanz bis Bermuda: 199 Seemeilen
Essen: Quesadillas, Steak mit Bratkartoffeln, Tamales, Wassermelone
Abgeschossenen Regenzellen: 2
Kohlhappelzähler: 5/9,5 (noch aus Panama; einer ist schlecht geworden)
Fliegende Fische an Deck: 8
Bahamas - Bermuda Tag 7
Mi Mai 27 2026 17:44:00 GMT-0400 (Eastern Daylight Time)
Wir sind nun fast eine Woche unterwegs und werden voraussichtlich morgen Früh ankommen. Gestern Abend kamen wir nochmal richtig in die Flaute, haben es aber „ausgesegelt“ und die Ruhe genossen. Um 23:00 Uhr, etwas früher als vorhergesagt, hatten wir wieder gut segelbaren Wind. Bis zum Sonnenaufgang sind wir noch vor dem Wind gekreuzt. Seit der Halse zur Schichtübergabe düsen wir mit über 6 Knoten bei Raumwindkurs und bei perfekten Segelwind von 15-20 Knoten und leichter Welle relativ direkt Richtung Bermuda. Vorwindsegeln fühlt sich noch ungewohnt an, das Boot bewegt sich völlig anders, als beim Amwindkurs, wo die Schräglage eine konstante Krängung des Bootes bewirkt. Es schaukelt alles viel mehr, aktuell jedoch zum Einstieg sehr sanft, doch im Laufe des Tages wird es immer mehr. Spätestens beim Kochen sehnen wir uns das am Wind fahren wieder zurück, denn man kann nichts hinstellen ohne, dass es sich in alle Richtungen bewegt.
Heute haben wir nicht nur einen fliegenden Fisch an Deck, sondern auch im Bad. Offensichtlich ist er durchs offene Fenster geflogen. Immerhin war Peter nicht genau in dem Moment Hände waschen und hat ihn am Kopf erwischt - diese Episode hat sich bei unserer Atlantiküberquerung zugetragen.
Am späten Nachmittag haben wir uns an die Bootsbewegung wieder gewöhnt und hissen die Gastlandflagge von Bermuda. Wir verlassen heute Nacht offiziell die gefährlichen Gewässer des Bermudadreiecks (nicht das viel gefährlichere am Wiener Schwedenplatz) und begeben uns in die königlichen britischen Gewässer Bermudas (wir könnens kaum erwarten beim Zoll geordnet in der Schlange zu stehen). Wir sind nicht von Außerirdischen entführt worden, haben leider keine Funksprüche aus Atlantis erhalten und verschwunden sind wir auch noch nicht, aber zum Glück haben wir nicht Boot Nummer 19 (siehe Flug 19) sondern 24.
Last but not least, das letzte Bier aus Panama durfte heute an einen kühlen Ort übersiedeln.
Etmal: 107 Seemeilen
Distanz bis Bermuda: 109 Seemeilen
Essen: Quesadillas, Ramen mit Kohl und Spiegelei
Abgeschossenen Regenzellen: 2
Kohlhappelzähler: 4/9,5 (noch aus Panama; einer ist schlecht geworden)
Fliegende Fische an Deck: 8 + einer im Bad
Bahamas - Bermuda Tag 8
Do Mai 28 2026 08:50:00 GMT-0300 (Atlantic Daylight Time)
In der Nacht nimmt der auf etwas über 20 Knoten zu. Das ist aber nicht allzu dramatisch, da wir einen Vorwindkurs fahren und somit vom Wind ablaufen. Die Wellen nehmen auch zu und drehen uns teilweise etwas aus. Wir sind aber von unserer Atlantiküberquerung Schlimmeres gewohnt und außerdem schlägt sich Vaquita super. Bei jedem Schichtwechsel machen wir eine Halse, um so ans Ziel zu kommen. Um etwa 3 Uhr rollen wir das Vorsegel weg, um unseren Windwinkel von 130 Grad auf 150 Grad vergrößern zu können. Dadurch schaffen wir fast einen direkten Kurs auf Bermuda.
Um etwa 4 Uhr funken wir mit der Akihi, einem der drei deutschen Boote, die einen Tag nach uns von Abaco, Bahamas gestartet sind. Seite an Seite legen wir die letzten 20 Meilen entlang der Südseite Bermudas zurück. Etwas weiter weg segelt die Gorch Fock, ein 89 Meter langes deutsches Marineschulschiff erbaut im Jahr 1958. Im morgentlichen Licht schaut das besonders kitschig aus.
Am Ostende fahren wir vorbei an bunten Häusern durch den Town Cut in die Lagune Bermudas. Der Wind bläst nach wie vor mit 20 Knoten und wir suchen uns einen Platz im vollen Ankerfeld in Convict Bay. Wir wollen eigentlich relativ nah zum Dinghy Dock ankern, um nicht so weit paddeln zu müssen (unser Außenborder ist noch immer kaputt), doch wir finden nur Platz weiter hinten. Wir lassen den Anker um 8:40 Uhr fallen und sind froh endlich angekommen zu sein.
Eigentlich müssen heute noch zum Einklarieren an Land, aber da der Wind so stark ist (22 Knoten bis Böen bis zu 30) und sogar Bermuda Radio (die lokale Funkstation) vor dem noch weiter zunehmenden Wind gewarnt hat, beschließen wir das erst morgen zu machen. Wir funken auch nochmal Bermuda Radio an und erklären unser Problem und unseren Plan für morgen. Sie versprechen dem Zoll Bescheid zu geben und damit haben wir noch einen Tag an Bord gewonnen. Immerhin ist die Welle ruhiger und wir können heute auch wieder gleichzeitig und nebeneinander schlafen. So genießen wir den Luxus vor Anker: ein anderes Frühstück als Quesadillas (es gibt Omlette mit Pumpernickel und Frischkäse), Essen am Tisch, eine ausgiebige warme Süßwasserdusche und feiern das Ganze mit einem Manöverschluck.